Lockerungen der Coronamaßnahmen in Belgien: Was ist ab wann und in welcher Form möglich?

Ab Montag, den 4. Mai, können die Unternehmen in Belgien ihre Aktivitäten wieder aufnehmen und ab Montag, den 11. Mai, dürfen die Geschäfte hierzulande wieder öffnen. Dies hat der Nationale Sicherheitsrat beschlossen. Die geplanten Lockerungen geschehen unter dem Vorbehalt, dass die medizinischen Werte in dieser Covid-19-Gesundheitskrise entsprechend ausfallen und dass sich die Bürger des Landes an die geltenden Vorschriften halten, sprich an die Abstands- und Hygieneregeln. Die Regierung geht in 3 Phasen vor. Was ist ab wann und wie möglich?

Phase 1A ab dem 4. Mai

-      Unternehmen aus den „nicht-essentiellen“ Sektoren dürfen ihre Aktivitäten wieder aufnehmen. Aber, Homeoffice bleibt die Norm. Es darf nicht zu direkten Kontakten mit Kunden kommen. Business-to-Business ist die zugelassene Arbeitsweise. Am Arbeitsplatz müssen Mundschutzmasken getragen werden, wo anderthalb Meter Abstand nicht möglich sind und die Hygienevorschriften müssen eingehalten werden. Die Firmenleitungen müssen ihrem Personal die dazu erforderlichen Räumlichkeiten und Mittel zur Verfügung stellen.

-      Mundschutzmasken werden ab dem 4. Mai im öffentlichen Nahverkehr, also in allen Bussen und Bahnen des Landes, verpflichtet getragen, denn dort kann die Anderthalb-Meter-Regelung nicht immer eingehalten werden. Eine solche Maske muss dort sowie an den Haltestellen und in den Bahnhöfen getragen werden und dies ab einem Alter von 12 Jahren. In Zügen, Trams, Metros und Bussen sollen Fahrten zu den Stoßzeiten vermieden werden und es wird dazu geraten, wo möglich, mit individuellen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein: Auto, Fahrrad, Motorrad…

-      Stoffläden dürfen schon öffnen, weil diese für die Eigenproduktion von Mundmasken die Produkte im Angebot haben. Auch hier müssen die geltenden Regelungen eingehalten werden. Ab Montag dürfen auch Geschäfte und Supermärkte Mundmasken anbieten, doch die Behörden warnen davor, bereits am Montag die Läden diesbezüglich zu stürmen, denn die Lieferungen erfolgen erst nach und nach.

-      Im Gesundheitswesen wird der Zugang zu normalen Behandlungen und Konsultationen schrittweise wieder ermöglicht. Dies war seit dem Ausbruch der Corona-Gesundheitskrise nur in dringenden Fällen möglich, denn die Kapazitäten waren der Behandlung von Coronapatienten vorbehalten.

-      Nach wie vor sollen die Leute so viel wie möglich zu Hause bleiben und nur essentielle Fortbewegungen unternehmen. Das Versammlungsverbot bleibt bestehen. Allerdings ist mittlerweile auch wieder zugelassen, dass Familien gemeinsam mit den Auto zum Wald oder zu einem Park fahren, um dort zu wandern, zu spazieren, zu joggen oder um andere Sportarten gemeinsam zu betreiben. Dies ist auch jetzt wieder möglich mit zwei weiteren Personen, die nicht unter einem Dach leben, zu tun aber auch wieder unter Einhaltung der geltenden Abstandsregelungen.

-      Berufspendler dürfen auch wieder in dem Land einkaufen, in dem sie arbeiten. Erlaubt sind ebenso dringende Autoreparaturen und der Reifenwechsel von Winter- auf Sommerreifen im jeweiligen Arbeitsland. Auch dürfen Studierende und studentische Praktikanten wieder in beiden Richtungen die Grenzen überschreiten.

Phase 1B ab dem 11. Mai

-      Alle Geschäfte jeder Größe und in allen Sektoren dürfen wieder öffnen und zwar ohne Ausnahme. Aber, auch hier gelten nach wir vor alle Abstands- und Hygieneregeln. Hier soll Gedränge absolut vermieden werden. Die entsprechende Vorgehensweise wird in den kommenden Tagen zwischen den Behörden und den einzelnen Sektoren weiter erörtert.

-      Ab dem 11. Mai werden Mitarbeiter von Kommune, Ländern, Regionen und der Bundesebene mit dem Nachverfolgen von Kontakten von Corona-Infizierten beginnen, sprich mit dem sogenannten „contact tracing“. Eine entsprechende App für Belgien ist allerdings vorerst ad acta gelegt worden.

-      Bis zu diesem Stichtag soll auch präzisiert werden, wie im Sport vorgegangen werden wird.

Phase 2 ab dem 18. Mai

-      Ab dem 18. Mai werden die Schulen wieder nach und nach geöffnet. Für Grund- und Mittelschulen gilt dies für maximal drei Schuljahre und in kleinen Gruppen mit maximal 10 Schulkindern. Zunächst wird der Fokus hier auf Abschlussjahrgänge gelegt und was die Unterstufen angeht, auf die ersten beiden Schuljahre. Für Kinder deren Eltern berufstätig sind und keine Betreuungsmöglichkeit haben, wird für eine solche gesorgt. Kindergärten bleiben bis mindestens Ende Mai geschlossen.

-      Den Schulen wird ermöglicht, am 15. Mai einen diesbezüglichen Probetag durchzuführen, um am darauffolgenden Wochenende notwendige Anpassungen vornehmen zu können.

-      In den Schulen werden vorerst alle Kinder ab einem Alter von 12 Jahren und alle Lehrpersonen sowie alle anderen Personalmitglieder der Einrichtungen dazu verpflichtet, den ganzen (Schul-)Tag lang Mundschutzmasken zu tragen. Und es müssen ausreichend Möglichkeiten zum Händewaschen angeboten werden. Die Schulkinder müssen stets zum Händewaschen angehalten werden.

-      Unter Umständen können ab dem 18. Mai auch wieder Frisöre und andere sogenannte „Kontaktberufe“ ihre Arbeit wieder aufnehmen, doch es muss mit den jeweiligen Sektoren noch genau vereinbart werden, wie dies vor sich gehen soll.

-      An diesem Stichtag können vielleicht auch die Museen wieder ihre Türen öffnen. Auch hier wird noch geplant, wie dies vor sich gehen könnte. Angedacht sind Besuche in kleinen Gruppen unter Respektierung der Abstandsregeln und ein Eintrittskartenverkauf mit Zeitfenstern.

-      Geprüft wird derzeit auch, ob und in welchem Maße private Zusammenkünfte, Hochzeiten, Beerdigungen, Tagesausflüge Besuche in Zweitwohnungen oder Grenzübertritte für Bewohner von Grenzregionen ab diesem Stichtag möglich sein können.

Phase 3 ab dem 8. Juni

-      Ob es hier bei dem genannten Stichtag bleibt oder ob dieser weiter nach hinten geschoben werden muss, steht noch nicht fest und hängt von der Entwicklung der Coronaepidemie ab und auch von Verhalten der Bürger in den bisherigen Phasen der Lockerungen.

-      Möglicherweise könnten ab dann z.B. wieder Restaurants und später auch Kneipen und Cafés öffnen. Auch dies wiederum im Rahmen der dann (noch) geltenden Abstands- und Hygieneregeln.

-      Dann könnten auch Fragen nach Sommer- und Ferienlagern für Jugendliche und Scouts beantwortet werden, die zumeist im Juli oder August stattfinden.

-      Zur Debatte steht bis dahin auch, wie es um das Reisen im Inland oder ins Ausland stehen wird und in welchem Maße touristische Attraktionen, wie Freizeitparks oder historische Sehenswürdigkeiten wieder besuchbar sein werden. Sicher bleibt eines, nämlich das Massenveranstaltungen aller Art (Musikfestivals, Straßen- und Stadtfeste, Kirmessen und Volksfeste, Theaterfestivals…) bis zum 31. August verboten bleiben. Und die Definition, was ein kleines Event für wie viele Besucher ist und was als Massenveranstaltung gilt, muss auch noch festgelegt werden.