Die Oosterweel-Verbindung in Antwerpen - Stand der Dinge eines Milliardenprojekts

Die Oosterweel-Verbindung ist eines der größten Infrastrukturprojekte Europas. Sie soll den Ring um Antwerpen schließen und den Frachtverkehr des Hafens und den Durchgangsverkehr in die richtigen Bahnen leiten. Jetzt sind nach langen Planungen die einzelnen Bauanträge für die jeweiligen Bauabschnitte gestellt worden, wie Bauherr Lantis, der mit zahlreichen Subunternehmen arbeiten wird, angibt. Wie lange wird das Projekt noch dauern? Was wird das kosten? Wie soll das Ganze letztendlich einmal aussehen?

Die Bauprojekte der Oosterweel-Verbindung, also der zukünftige tatsächlich geschlossene Antwerpener Ring, bestehen aus 5 Teilen. Dazu gehören ein neuer Tunnel unter der Schelde hindurch, der den Verkehr vom linken zum rechten Ufer des Flusses leitet. Bekommt dieses Projekt grünes Licht im Zuge einer noch abzuschließenden Umweltverträglichkeitsstudie, dann können die Arbeiten ab 2021 beginnen. Dieser Tunnel wird 1,8 Kilometer lang sein, verfügt über je drei Fahrstreifen je Fahrtrichtung und über ein 6 Meter breites Rohr für Radfahrer und Fußgänger.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

(c) Lantis

Inzwischen haben am linken Ufer der Schelde (Ortsteil Sint-Anna-Linkeroever) und in der Ortschaft Zwijndrecht bereits einige vorbereitende Arbeiten begonnen. Dort soll die Oosterweel-Verbindung, die dort R1 heißt (Ringanschluss 1) über neue Auf- und Abfahrten an die Autobahn E17 in Richtung Gent und an die E34 nach Knokke und in Richtung Kennedytunnel angeschlossen werden.

Das Autobahnkreuz Oosterweel

Der Verkehr, der den neuen Scheldetunnel am rechten Ufer der Schelde verlässt, erreicht dort ein neues Autobahnkreuz, das Oosterweel genannt werden soll. Dieser Name kommt von dem gleichnamigen im dortigen Landstrich, ein inzwischen verschwundenes Polderdörfchen. Die Gemeinde Oosterweel wurde 1210 zum ersten Mal erwähnt und verschwand im Zuge des Hafenausbaus bereits 1929. Hiervon sind nur noch eine kleine Kirche und eine alte Brücke als Denkmal erhalten. Hier in der Nähe werden neue Auf- und Abfahrten in Richtung Hafen und nördliches Stadtgebiet von Antwerpen gebaut.

Das Besondere an dieser Kreuzung ist, dass diese unterirdisch angelegt wird. Der Straßenverlauf wird in Tiefen zwischen 5 und 29 Metern gegraben und verbindet den neuen Scheldetunnel mit den Kanaltunneln, die zum Antwerpener Ring führen. Auch hier sind unterirdische Radwege geplant, die von Autoverkehr getrennt ein sicheres Radeln ermöglichen.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Oosterweel

Diese untertunnelte Anlage wird ein technisches Meisterstück darstellen. 2022 beginnen diese Arbeiten zu einem doppelstöckigen Verkehrstunnel, der unter dem Albertkanal hindurch zur Ring laufen wird. Die beiden untersten Fahrbahnen verbinden Oosterweel mit den Autobahnen A12 und E19/R1 Richtung Niederlande (Breda) und die beiden oberen Fahrstreifen verbinden den Antwerpener Ring mit der E13 nach Hasselt, der E34 nach Eindhoven und der E19 nach Brüssel.

Riesiges Bauprojekt am Sportpalast

In der Umgebung des Antwerpener Sportpalastes, eine Veranstaltungshalle für Megaevents und riesige Konzerte, wird die gesamte Anschlussstelle für ein neues Aussehen sorgen. Zum Beispiel wird der bisherige Viadukt in Merksem abgerissen. Der Ring (R1) wird hier in einen Einschnitt verlegt, also tiefer gelegt. Hier zwischen Merksem und Deurne knüpft die Oosterweel-Verbindung an die verschiedenen Verkehrsachsen von und zu den einzelnen Tunneln an.

Ein Teil dieses Einschnittes wird in einer Länge von 850 Metern überdacht, was dort oberirdisch für zusätzliche Grünflächen, für neue Radwege und für Parks und Plätze sorgen wird. Eine vollständige Überdachung dieser Verkehrsachse wird es allerdings nicht geben, auch wenn sich dies viele Antwerpener sehnlichst gewünscht hätten. Verläuft alles nach Plan, dann müsste der Verkehr auf der gesamten Oosterweel-Verbindung ab etwa 2030 rollen.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Ob dies tatsächlich dann so sein wird, hängt aber noch von einigen Planfeststellungsverfahren und Studien ab und noch können von Seiten der Bürger Beschwerden gegen das Projekt oder gegen Teile davon eingereicht werden. Das gesamte Projekt ist mit 6 Milliarden Euro veranschlagt worden.

Auch diese Summe ruft Kritik hervor, denn es heißt, dass hier zu viel Geld in Infrastruktur investiert wird und nicht in die Menschen, die hier leben und in deren städtischer Infrastruktur. Das Projekt ist sehr komplex und verläuft auch teilweise durch oder unter dichtbebautes Gebiet hindurch.

Bauherr Lantis sieht dies nicht so und gibt an, dass das gesamte Projekt auf nachhaltige Mobilität setzt, denn es werde enorm viel für Radfahrer und Fußgänger getan. Unter der Illustration können sie einen TV-Bericht aus den VRT-Nachrichten in niederländischer Sprache zu diesem Projekt sehen. 

Laden Video-Player ...