Krankenkassen und Callcenter arbeiten zusammen, um Telefon-Tracing von Corona-Infizierten zu ermöglichen

Die flämische Landesregierung hat eine Vereinbarung mit fünf Krankenkassen, Callcentern und der Beratungsfirma KPMG über „Kontakt-Tracing“ getroffen. Bis zum 11. Mai sollen diese ausreichend Personal bereitstellen, um Corona-Patienten und ihre Kontakte zu erfassen. 

Damit die Ausgangsbeschränkungen gelockert werden können, sind verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen. Unter anderem das Tragen von Schutzmasken, das Aufspüren des Virus durch Corona-Tests und die Einführung des Kontakt-Tracings. Callcenter werden Corona-Patienten anrufen und fragen, mit wem sie Kontakt hatten.

Jede Landesbehörde entscheidet selbst über die Zusammenstellung der Callcenter. Die Software wird vom Bund bereitgestellt.

Wie die Brüsseler Behörden werden auch die flämischen die Krankenkassen einschalten.

In Flandern sollen 1.200 Callcenter-Mitarbeiter für das Corona-Tracing eingesetzt werden. Die Operation wird auf rund 100 Millionen Euro geschätzt.

„Mit wem hatten Sie in den letzten zwei Tagen Kontakt?“

Angerufen werden nicht nur Corona-Infizierte mit der Frage, mit wem sie in den letzten Tagen in Kontakt standen. Der Anrufer kann auch die angegebenen Personen anrufen, um ihnen mitzuteilen, dass sie mit einer infizierten Person in Kontakt waren. Der Name dieser Person wird nicht mitgeteilt.

Anruf mit Folgen

Die Anrufe werden nicht ohne Folgen bleiben. Wer Kontakt mit einer infizierten Person hatte (länger als 15 Minuten und weniger als 1,5 Meter Abstand), wird gebeten zwei Wochen zu Hause in Quarantäne zu bleiben und zwei Mal pro Tag seine Temperatur zu messen. Homeoffice bleibt erlaubt. Sofern dies nicht möglich ist, werden die Kontaktierten auf Kurzarbeit gesetzt oder können, sofern sie selbstständig sind, einen Überbrückungskredit anfragen.

Wer positiv getestet wurde, kann von seinem Hausarzt gebeten werden, ein sogenanntes Kontaktformular (Foto unten) auszufüllen und zu aktualisieren. 

Datenschutz

Die Datenbank mit den eingeholten Daten über Corona-Patienten und deren Kontakte wird von der zentralen Datenverwaltung der belgischen Sozialversicherungsbehörde gemanagt. „Mehr Angaben als einen Namen, eine Telefonnummer und einen der fünf möglichen Fragebögen bekommen die Callcentermitarbeiter nicht zu sehen“, sagt der verantwortliche Datenverwalter Frank Robben. Alle erfassten Daten werden von den Computern von Sciensano gespeichert. Dieses wissenschaftliche Institut verwaltet auch die tägliche Corona-Statistik und sammelt jetzt bereits alle Daten von den Laboratorien, Hausärzten, Krankenhäusern und getesteten Personen. 

Geste der Telecom-Operatoren

Die Telecom-Operatoren Proximus, Telenet, Base, Orange, Scarlet und Voo, die diese Callcenter mit einrichten, haben bekanntgegeben, dass sie keine Kosten für die Anrufe und den Versand von SMS-Berichten anrechnen werden.

Ihre Geste erklären die Telecom-Operatoren damit, dass die Einrichtung der Callcenter „integraler Bestandteil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung als Unternehmen und Ausdruck ihrer Solidarität seien“.