Die EU-Kommission geht für Belgien von einem größeren Haushaltsloch aus, als eigentlich erwartet

Die Europäische Kommission schätzt, dass das Loch um belgischen Bundeshaushalt Ende dieses Jahres bei 8,9 % des hiesigen Brutto-Inlandsprodukts (BNP) liegen wird. Das sind anderthalb Prozent mehr, als die Belgische Nationalbank (BNB) im vergangenen Monat berechnet hatte. 

Die Europäische Kommission geht davon aus, dass die Coronakrise dem belgischen Staatshaushalt einen schweren Schlag zufügen wird. Sie geht für das laufende Jahr 2020 von einem Defizit von 8,9 % des BNP aus, sprich dem derzeitigen Wert der belgischen Wirtschaftsleistung. Dies wäre für Belgien das größte Haushaltsloch seit den 1980er Jahren.

2019 konnte Belgien noch mit einem relativ kleinen Defizit von 1,9 % abschließen. Im April war die hiesige Nationalbank noch von einem Haushaltsdefizit von 7,5 % des BNP ausgegangen, doch die EU-Kommission zeigt sich hier deutlich pessimistischer.

Belgien und die meisten anderen EU-Mitgliedsländer müssen derzeit rote Zahlen schreiben, um die wirtschaftlichen Folgen dieser Epidemie/Pandemie abfedern zu können, denn es müssen staatliche Hilfsgelder für die betroffenen Unternehmen und zeitweilig zusätzliche Arbeitslosen- und Kurzarbeitergelder ausgeschüttet.

Sehr hohe Zusatzausgaben durch die Coronakrise

Hinzu kommen natürlich noch extrem hohe zusätzliche Ausgaben für das Gesundheitssystem. Gleichzeitig sinken die Einnahmen durch Steuern und wegen höheren Arbeitslosenzahlen fließen auch weniger Beträge in die soziale Sicherheit.

Die Kommission erwartet, dass die belgische Wirtschaft im laufenden Jahr um 7,2 % zurückgehen wird. Für die gesamte Eurozone (jene EU-Länder in denen der Euro das alleinige Zahlungsmittel ist) geht sie von einem Verlust von 7,7 % aus. 2021 könnte die hiesige Ökonomie wieder um 6,7 % wachsen (Eurozone +6,3 %), doch damit können die diesjährigen Verluste nicht sofort aufgefangen werden.

Das Haushaltsloch in Belgien wird nächstes Jahr laut EU-Kommission „nur noch“ 4,2 % betragen. Belgien muss dann wieder Anleihen aufnehmen, um diese zusätzlichen Ausgaben finanzieren zu können. Deshalb geht die EU-Kommission auch davon aus, dass die hiesige Staatsschuld von heute 98,6 % des BBP nächstes Jahr zeitweise auf 113,8 % ansteigen wird, um Ende 2021 bei 110 % zu liegen.