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78 Belgier, die eine Kreuzfahrt auf einem Schiff mit Coronafällen gebucht hatten, verklagen Reisebüro

78 Belgier, die beim Reisebüro „De Blauwe Vogel“ in Sint-Truiden (Prov. Limburg) gebucht hatten und auf deren Kreuzfahrtschiff entweder selbst erkrankten oder den Tod von Mitreisenden an Bord erleben mussten, ziehen vor Gericht. Ihrer Ansicht nach hätte diese Kreuzfahrt niemals stattfinden dürfen. Beim betroffenen Reisebüro heißt es dazu, man habe das, was geschehen sei, nicht voraussagen können.

Am 7. März gingen 320 Belgier, die ihre Reise bei „De Blauwe Vogel“ in Sint-Truiden gebucht hatten, auf Kreuzfahrt. Auf dem Schiff befanden sich rund 4.000 Urlauber aus der ganzen Welt - auch aus Italien. Den Urlaubern war bei Buchung der Reise zugesichert worden, dass keine Italiener an Bord sein würden, denn dort wütete bereits das Coronavirus. Schon am 4. Tag brach an Bord des Cruiseschiffs das Virus aus und verbreitete sich rasch. Inzwischen durfte das Schiff schon nirgendwo mehr anlegen.

Nach einigen Tagen starb ein erster Mitreisender und nach Aussagen der Kläger wurde in diesem Fall und auch bei drei weiteren Sterbefällen an Bord stets wieder von Herzinfarkten gesprochen. Auch die Reisebegleiter von „De Blauwe Vogel“ hielten sich offenbar an diese Version.

Während der Reise starb keiner der 320 Belgier an Covid-19, doch in den Tagen und Wochen danach erlagen 4 Mitreisende aus unserem Land dem Virus. Einige weitere Kreuzfahrturlauber aus dieser Gruppe liegen immer noch in Krankenhäusern. Jetzt ziehen 78 dieser Urlauber gegen das Reisebüro „De Blauwe Vogel“ vor Gericht. Sie sagen, dass diese Kreuzfahrt niemals hätte stattfinden dürfen.

"De Blauwe Vogel" verteidigt sich

Trudo Carlier, die Geschäftsführerin von „De Blauwe Vogel“, sagte dazu gegenüber der flämischen Tageszeitung Het Laatste Nieuws, niemand hätte damals wissen können, was passieren würde und ihrem Reisebüro könne man nichts vorwerfen: „Die Kunden sind am 7. Mai abgereist. Damals war das Leben hier noch normal. Das änderte sich, während sie sich auf Kreuzfahrt befanden. Wer hätte damals gedacht, dass eine Woche später niemand mehr vor die Türe gehen konnte.“

Das Reisebüro habe sich genau an die Richtlinien des belgischen Außenamtes gehalten, so Carlier: „Es gab keine negative Reisewarnung. Solange so etwas nicht vorliegt, lassen wir unsere Reisen einfach stattfinden. Damals lag noch kein Grund vor, diese Reise abzusagen, auch wenn bereits Geschichten über das Coronavirus die Runde machten.“

„De Blauwe Vogel“ habe keine Angst vor der Klage der 78 Urlauber, die hier ihre Kreuzfahrt gebucht haben, so die Geschäftsführerin: „Es ist logisch, dass man in einer solchen Situation einen Schuldigen sucht und dann kann schnell gesagt werden, dass wir diese Reise nicht zur Buchung hätten freigeben dürfen. Aber, ich habe keine Glaskugel und diese Situation hat niemand vorhersehen können.“