Coronakrise: Belgiens Kultursektor schreibt offenen Brief an Premierministerin Wilmès

300 bekannte Künstler, Kulturschaffende und Mitarbeiter aus dem gesamten von der Coronakrise übel heimgesuchten Kultursektor  haben in einem offenen Brief an Premierministerin Sophie Wilmès (MR) Alarm geschlagen. Sie fordern angesichts eines Treffens der Kulturminister aus Ländern und Regionen außergewöhnliche Maßnahmen, sowohl um diesen Sektor zu retten, als auch um den zahlreichen Betroffenen aus Kunst und Kultur ein Einkommen zu garantieren - auch außerhalb von Krisenzeiten, wie dieser.

In den vergangenen beiden Monaten haben die meisten Kulturschaffenden in Belgien ihre Arbeit und ihr Einkommen verloren. Zudem sind alle Projekte, also weitere Einnahmequellen neben den reinen Auftritten und Engagements, bis auf weiteres stillgelegt. Von einer finanzielle Entschädigung, wie sie in anderen Wirtschaftssektoren fließen, ist hier kaum oder gar keine Rede.

Mal eben wochenlang im Homeoffice weiterarbeiten ist in der Kultur nur bedingt möglich, z.B. bei den Veranstaltern, die u.a. an der Sicherung von Arbeitsplätzen in ihren Institutionen und einer programmatischen oder inhaltlichen Zukunft für die Zeit nach dieser Gesundheitskrise basteln. In ihrem offenen Brief fordern die Kulturschaffenden aus allen künstlerischen Bereichen ein garantiertes Einkommen und eine Fristverlängerung für alle, die ein Anrecht auf Arbeitslosenunterstützung oder auf Kurzarbeit bekommen haben.

Gemeinsam mit der Gastronomie ist die Kultur von dieser Krise am schwersten betroffen und gerade die Bereiche Kunst und Kultur sowie Events und Unterhaltung sind wohl die Sektoren, die als letzte wieder hochfahren können bzw. dürfen, wenn es heißt, dass die Krise vorbei oder dass das Virus im Griff ist.

Ein Künstlerstatut, das seinen Namen wert ist“

Zuständig für die Kultur sind die Länder und Regionen, doch das Thema professioneller Status, Künstlerstatut, Recht auf Arbeitslosenunterstützung und Tax Shelter (Steuervorteile) für Kultur- und Kunstprojekte, wie z.B. Filme, sind in Belgien föderale Materie. Die entsprechenden Minister bereiten sich bei ihrem Treffen auf das/die kommende(n) Treffen des Nationalen Sicherheitsrates vor, der die weiteren Schritte in Sachen Lockerung der Coronamaßnahmen bestimmt.

In dem Schreiben heißt es wörtlich: „Wir bitten um außergewöhnliche Maßnahmen, die denen ein garantiertes Einkommen garantieren, die nachweislich regelmäßige künstlerische Aktivitäten durchführen und zwar für die vollständige Dauer der Krise und bis dann, wenn wir unsere normalen Aktivitäten wieder aufnehmen können.“ Nicht zuletzt fordern die Initiatoren dieses alarmierenden Schreibens, ein Künstlerstatut, das seinen Namen wert ist… 

Kultur hilft dem Land, aber hilft das Land auch der Kultur?“

Unterzeichnet wurde dieser offene Brief unter dem Titel „Kultur hilft dem Land, aber hilft das Land auch der Kultur?“ von 300 Akteuren aus diesem Sektor. Darunter sind u.a. die Filmemacher Luc und Jean-Pierre Dardenne, die Popsängerin Angèle, der Comiczeichner François Schuiten, der Rockmusiker Daan, die Filmregisseure Jaco Van Dormael, Marion Hänsel und Lukas Dhont, das Theaterkollektiv „Olympique Dramatique“, der Direktor der Schauspielbühne NTGent, Milo Rau, die Choreographen Anne-Theresa De Keersmaeker und Sidi Larbi Cherakaoui, viele Schauspielerinnen und Schauspieler, wie die Reinhilde Decleir, Emilie Dequenne, Bouli Lanners und Veerle Baetens oder auch die Musikerin An Pierlé, der Chansonsänger Adamo, die Jazzmusiker Steve und Grégory Houben, Colin Van Eeckhout, der Sänger der Hardcore-Band Amenra, zahlreiche Kameraleute aus der Film- und Kinoszene und viele mehr.