Die Coronakrise wird in Belgien bis zu 180.000 Arbeitsstellen kosten

Die Corona-Arbeitsgruppe der Belgischen Nationalbank (NBB) gehr davon aus, dass jeder 5. Arbeitnehmer, der sich gerade in Kurzarbeit befindet, wohl seinen Job auf Dauer verlieren wird. Mit denen, die schon jetzt im Zuge der Coronakrise ihren Arbeitsplatz verloren haben oder noch verlieren werden, könnte sich die Zahl letztendlich auf bis zu 180.000 zusätzliche Arbeitslose in Belgien belaufen. Inzwischen sinkt auch die Zahl der offenen Stellen bei den Arbeitsämtern.

Die aktuelle Studie der Corona-Arbeitsgruppe der Belgischen Nationalbank, die Economic Risk Management Group (ERMG), geht davon aus, dass diese Gesundheitskrise der hiesigen Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt in Belgien schweren Schaden zufügen wird. Aus einer Umfrage der NBB und dem belgischen Unternehmerverband VBO in der ersten Woche der Corona-Lockerungen geht zwar hervor, dass die Unternehmen ihre Umsätze leicht steigern konnten, doch dass gleichzeitig die Nachfrage weiter sehr schwach bleibt.

2.675 Unternehmen befragt

Insgesamt wurden 2.675 Unternehmen und Selbständige befragt. Hierbei kam heraus, dass die Umsätze noch immer durchschnittlich um 29 % unter denen von vor der Krise liegen. Im (Einzel-)Handel und in der Bauwirtschaft steigen die Umsätze aber etwas deutlicher. Verluste müssen weiterhin der Immobilienhandel (bei gleichzeitig hoher Nachfrage), die Landwirtschaft, die IT- und Kommunikations-Sektoren und vor allem die Gastronomie hinnehmen.

Drohende Konkurse

Bei 7 % der Befragten sei ein Konkurs wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich, so das Ergebnis dieser Studie. Im Gastronomie-, Kultur-, Veranstaltungs- und Unterhaltungssektor ist die Gefahr am größten. Derzeit befinden sich noch rund 900.000 Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Davon sind 180.000 Arbeitsplätze akut in Gefahr, so die Studie.

17 % der Jobs in der Gastronomie laufen Gefahr, gestrichen zu werden. Im Bereich Kultur und Unterhaltung sind dies bis zu 40 % der Arbeitsplätze! Hinzu kommt noch, dass bei den Selbständigen und hier vor allem bei den allein arbeitenden Solounternehmern vielen eine Pleite droht. 9 % der in diesem Bereich Befragten gibt an, dass ein Konkurs wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich ist.

Sinkende Stellenausschreibungen

Inzwischen sinkt auch die Zahl der offenen Stellen, die die regionalen Arbeitsämter in Belgien anbieten. Beim flämischen Arbeitsamt VDAB z.B. wurden im April rund 12.000 Jobs angeboten, fast die Hälfte weniger als im gleichen Monat letztes Jahr. Seit November 2014 wurden flandernweit nicht mehr so wenige offene Stellen angeboten, hieß es beim VDAB dazu.

Im März, also in dem Monat, in dem in Belgien die Coronakrise deutlich spürbar wurde und zu strengen Maßnahmen, die auch die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt trafen, lag die Zahl der angebotenen Stellen in Flandern bei knapp 17.400 Jobs, doch schon seiner Zeit war dies ein Rückgang um 31,3 % gegenüber dem Vorjahr.