Lange Warteschlangen bei den Billigketten: „Menschen mit wenig Geld haben kaum Alternativen“

Die Organisationen gegen Armut haben auf die langen Warteschlangen vor den Billigketten Action und Primark am Montag reagiert: Wer wenig Geld hat, dem bleibt oft keine andere Wahl als dort einzukaufen. Das Netzwerk gegen Armut fordert für Menschen, die von einer Unterstützung leben, eine finanzielle Aufbesserung: „Auch für sie ist das Leben teurer geworden.“

„Beide Ketten verkaufen Billigware“, sagt die Organisation gegen Armut De Zuidpoort vzw: „Außerdem sind diese Geschäfte meistens schnell mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und kann dort mit Bargeld bezahlt werden.“

Auf die Entrüstung in den Social Media über die Bilder von langen Reihen Kauflustiger reagiert die Organisation, indem sie auf die Gründe hinweist, warum mittellose Menschen nicht online einkaufen können:

-        Man muss genug Geld haben, um ein Produkt im Internet zu kaufen, das im Geschäft billiger ist.

-        Man muss genug Geld haben, um die Versandkosten bezahlen zu können oder um so viel zu kaufen, dass der Versand kostenlos ist.

-        Man braucht ein Gerät, um zu surfen. (14 Prozent der Belgier haben kein Laptop, Smartphone oder Tablet.)

-        Man braucht eine Internetverbindung.

-        Man muss wissen, wie die Geräte funktionieren. (20 Prozent der Belgier können keine E-Mails versenden oder googeln.)

-        Man braucht eine Bankkarte.

Die Corona-Krise hat den Druck der Armut auf die Menschen weiter verstärkt. Das Leben ist teurer geworden: „Für Menschen in Armut hat es vorher auch schon nicht hinten und vorne gereicht. Jetzt müssen sie auch die teureren Lebenshaltungskosten bewältigen“, klagen die Organisationen zur Bekämpfung der Armut. Deswegen fordert das Netwerk tegen Armoede eine finanzielle Entschädigung für diejenigen, die mit höheren Kosten konfrontiert werden und jeden Euro zwei Mal umdrehen müssen.