Am 18. Mai folgt in Belgien die nächste Phase der Corona-Lockerungen

Am Mittwochmorgen traf sich der erweiterte Nationale Sicherheitsrat in Brüssel, um über die nächste Stufe der Lockerung der Coronamaßnahmen der Bundesregierung zu beraten und um zu bestimmen, was ab dem Stichtag 18. Mai wieder für die Menschen im Land möglich sein wird. Premierministerin Sophie Wilmès (MR) gab im Rahmen einer Pressekonferenz am frühen Mittwochnachmittag bekannt, was dort beschlossen wurde. 

Premierministerin Sophie Wilmès sprach am Anfang ihrer Pressekonferenz auch über die Kultur, die sie auf der einen Seite ein wichtiges Bindeglied in unserer Gesellschaft nannte, anderseits aber auch als einen nicht unerheblichen Sektor in der hiesigen Wirtschaft bezeichnete. Dass gerade dieser Bereich so schwer getroffen werde, sei nur schwer zu verdauen, doch gerade hier sei eine Lockerung „eine besonders komplexe Angelegenheit“.

Aber, sie unterstrich, dass die Kultur von einer ganzen Reihe von Maßnahmen der Unterstützung profitieren könne. Die belgische Bundesebene hätte mit den Ländern und Regionen vereinbart, dass es für die Künstler und für alle anderen Beschäftigten im Kultursektor über Notfonds Ersatzeinkommen geben werde. Daneben werde man der sogenannten „GEES-Arbeitsgruppe“ (ein Beratungsgremium in Sachen Coronalockerungen - siehe weiter unten) Vorschläge unterbreiten, in welcher Form und wann es wieder zu Kulturveranstaltungen kommen könne.

Phase 2 der Corona-Lockerungen

Was hat der Nationale Sicherheitsrat beschlossen? Am 18. Juni beginnt Phase 2 der Coronalockerungen in Belgien, nach dem in den letzten Wochen die Phasen 1A und 1B in Kraft treten konnten. Auch jetzt wieder geschieht die Lockerung Schritt für Schritt, doch eine Rückkehr in die Normalität ist noch nicht „für morgen“ geplant. In der nächsten Phase können aber wieder einige Gewohnheiten aufgegriffen werden.

So können ab dem kommenden Montag wieder Kontaktberufe bzw. Tätigkeiten, wie das Haareschneiden oder kosmetische Dienstleistungen, aufgenommen werden. Beim Frisör gelten dann einige Regeln: Die Kunden müssen einen Termin anfragen, der auch eingehalten werden muss und sie müssen, so wie die Frisöre auch, Mundschutzmasken tragen. Immer müssen alle geltenden Regeln zum Abstandhalten eingehalten werden.

In der Frage der Hochzeiten und Beerdigungen sind ab dem 18. Mai Zeremonien mit maximal 30 Personen zugelassen. Dabei müssen einmal mehr alle Abstandsregeln eingehalten werden. Empfänge oder religiöse Zeremonien danach bleiben vorläufig weiter untersagt.

Wochenmärkte dürfen ab dem 18. Mai auch wieder stattfinden. Doch mehr als 50 Marktstände dürfen nicht aufgebaut werden. Die Wiedereröffnung von Wochenmärkten bleibt eine lokale Zuständigkeit und braucht die Zustimmung der jeweiligen Kommunalverwaltung. Auch hier müssen alle geltenden Regeln zur Abstandswahrung eingehalten werden. Die Händler müssen Mundschutzmasken und Schutzhandschuhe tragen, den Kunden wird dies mit Nachdruck empfohlen.

Freizeit

Bibliotheken, Museen und Sehenswürdigkeiten, wie historische Gebäude, dürfen ebenfalls wieder öffnen. Sie müssen allerdings auch alle geltenden Regeln einhalten. Für die Museen und die Sehenswürdigkeiten muss ein Ticketsystem aufgebaut werden, über das man elektronisch oder per Telefon Eintrittskarten für ein bestimmtes Zeitfenster bekommen kann. So sollen diese Einrichtungen die Zahl der Besucher besser steuern können, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig vor Ort sein müssen. Ein vorgeschriebener Wegeplan soll diese Besuche im Sinne der Sicherheit aller erleichtern.

Auch Zoos, Tierparks und Botanische Gärten oder Naturparks dürfen wieder öffnen, auch hier nur unter Einhaltung aller Abstands- und Sicherheitsmaßnahmen. Dort bleiben vorerst alle Spielplätze und Attraktionen gesperrt und auch die Gastronomie darf noch nicht öffnen. Hier muss auch ein vorgeschriebener Wegeplan ausgearbeitet werden, dem die Besucher folgen müssen.

Sportclubs und Sportvereine dürfen wieder mit den Trainings unter freiem Himmel beginnen, doch die jeweiligen Trainingsgruppen dürfen nur aus maximal 20 Personen bestehen und müssen jeweils verpflichtet von einem Coach begleitet werden, der auf Einhaltung der Abstandsregeln achten muss.

Alle notwendigen Informationen werden nach und nach auf der Informations-Webseite der belgischen Bundesregierung www.info-coronavirus.be zum Nachlesen veröffentlicht. 

Die nächste Phase

Der nächste Schritt, die Phase 3 der Lockerungen, findet nicht vor dem 8. Juni statt, so die Premierministerin. Und die allgemeinen Sport- und Kulturveranstaltungen bleiben bis mindestens zum 30. Juni weiter verboten. Auch die Gastronomie muss noch warten. „In diesem Sommer werden wir noch keine Rückkehr zum normalen Leben erleben“, so Wilmès mit Bedauern.

Jede weitere Lockerungsphase wird der Nationale Sicherheitsrat mit der sogenannten „GEES-Arbeitsgruppe“ besprechen. Dort zeigte man sich zufrieden damit, dass die Dauer zwischen der Phase 2 und der Phase 3 etwas länger dauert, als bisher der Fall war. Dadurch könne man die Situation medizinisch und virologisch leichter analysieren, so der Virologe Marc Van Ranst, Mitglied dieser Gruppe, gegenüber VRT NWS.

Wer oder was ist die „GEES-Arbeitsgruppe“? Diese Expertengruppe zur Exit-Strategie besteht aus Medizinern und Juristen sowie aus Vertretern der Wirtschaft und der sozialen Ebene. Sie berät das Nationale Krisenzentrum, den erweiterten Nationalen Sicherheitsrat aus der Premierministerin, den Vizepremiers und den Ministerpräsidenten aus Ländern und Regionen und auch die staatliche belgische Gesundheitsbehörde Sciensano in Fragen zum Umgang mit dem Coronavirus und mit den möglichen Lockerungen.