Covid-19: Belgien setzt ab jetzt auf Kontakt-Verfolgung

Im Kampf gegen das Coronavirus setzt Belgien seit Anfang dieser Woche auf das sogenannte „Kontakt-Tracing“, sprich auf die Nachverfolgung von Kontakten, die eine Person, die positiv auf Covid-19 getestet wurde oder bei der ein Krankheitsverdacht vorliegt, im Vorfeld eines Coronatests oder eines Arztbesuches hatte. Dazu sind in allen Regionen Belgiens spezielle Telefonzentralen eingerichtet worden in denen rund 700 Operatoren arbeiten. 

Ziel dieser gemeinsamen Vorgehensweise aller Regierungsebenen in Belgien, von der Bundesregierung hin bis zu den Ländern und Regionen ist, Infektionsketten zu erkennen und gegebenenfalls zu unterbrechen. Über das „Kontakt-Tracing“ sollen mit dem Coronavirus infizierte Personen oder inzwischen an dem Virus erkrankte Menschen und deren Kontaktpersonen schneller ausfindig gemacht und gegebenenfalls isoliert werden.

Damit sollen in unserem Land weitere Lockdowns oder das Zurückschrauben von bisher erfolgten Lockerungen der geltenden Maßnahmen gegen eine weitere Verbreitung des Virus vermieden werden. Nicht zuletzt die Wirtschaft setzt auf dieses Verfahren (siehe nebenstehenden Beitrag) und hofft, dass man ein neues Aufflackern der Krankheit lokal einschränken kann. 

Wie geht dieses „Kontakt-Tracing“ vor sich?

Stellt ein Hausarzt eine Coronavirus-Ansteckung bei einem seiner Patienten fest oder vermutet er sie auch nur, führt er einen entsprechenden Test durch. Ist der Verdacht auf eine Covid-19-Infizierung oder Erkrankung mehr oder weniger offensichtlich, wird das Testergebnis gar nicht erst abgewartet und der Betreffende wird in einer Klinik isoliert. Der Hausarzt informiert danach unmittelbar die Datenbank des staatlichen belgischen Wissenschafts- und Gesundheitsinstitutes Sciensano in Brüssel.

Von dort aus wird quasi direkt mit dem Verfolgen von Kontakten und eventuellen Kontaktpersonen des Patienten begonnen. Dafür sorgen die regionalen Telefonzentralen, die in diesem Zusammenhang eröffnet wurden. Diese nehmen Kontakt zum betreffenden Patienten und nach dessen freiwillig gegebenen Angaben auch zu dessen Umfeld auf und informier alle über die zu treffenden Präventivmaßnahmen.

Keine Verpflichtung

Alle Angaben werden freiwillig gegeben und nach den ersten Tagen dieses „Kontakt-Tracings“ gaben die Mitarbeiter an, dass niemand damit Probleme mache. Es gehört offenbar zum Bürgersinn in Belgien, sich dem nicht zu versperren, denn vieles hängt davon ab und eigentlich nicht weniger als unser normales tägliches Leben.

Wer könnte betroffen sein?

Das ist bei jedem der Fall, der sich mehr als 15 Minuten lang mit weniger als 1,5 Metern Abstand zu dem Infizierten aufgehalten hat. Das sind z.B. Familienmitglieder, Mitglieder eines gemeinsamen Haushaltes, Nachbarn, Kollegen oder Klassenkameraden in der Schule der Kinder. Betroffene werden zu 14 Tagen häuslicher Quarantäne „verdonnert“. Das Haus darf ein Betroffener dann nur in notwendigen Fällen verlassen, um z.B. zum Arzt und zur Apotheke zu gehen oder zu anderen unvermeidlichen Vorgängen.

Wie steht es um die Ärztliche Schweigepflicht?

Juristisch steht die Sache allerdings auf wackligen Beinen, denn es ist unklar, in wie fern die Hausärzte Angaben zu ihren Patienten weitergeben dürfen. Auch in diesem Fall ist das Thema Ärztliche Schweigepflicht eigentlich keine Materie, die man einfach so interpretieren darf, so der auf Patientenrecht spezialisierte Jurist und Universitätsprofessor Tom Goffin von der Universität Gent (UGent) gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen. Dies dürfe lediglich unter bestimmten Bedingungen geschehen, doch die Regierung hat dazu keine spezifischen Gesetzestexte oder Erlasse verfasst. 

Warnung vor Betrug!

Dieses „Kontakt-Tracing“ hat leider auch rasch Betrüger auf den Plan gerufen, die unbescholtene Bürger anrufen und aushorchen wollen. Doch die Behörden geben an, dass alle entsprechenden Anrufe der regionalen Telefonzentralen nur und immer unter einer einzigen und stets der gleichen Nummer erfolgen. Das ist die Brüsseler Telefonnummer 02/214.19.19. Auch eventuelle SMS-Berichte in diesem Zusammenhang haben nur eine einzig gültige Nummer und dass ist die 8811!

Erfolgen Anrufe oder SMS-Berichte von anderen Nummern gilt es diese zu ignorieren, auf keinen Fall zurückzurufen und eventuelle Links in SMS-Nachrichten auf keinen Fall anzuklicken. Und, die Corona-Telefonmitarbeiter erfragen niemals private Angaben, Passwörter oder Bankdaten, wie Kontonummern. Am besten, man meldet einen versuchten Fake- oder Betrugsanruf gleich der Polizei.