Untersuchung ergibt: Coronavirus verursacht höchste Sterberate in Belgien seit dem Zweiten Weltkrieg

„Der Monat April 2020 war der tödlichste Monat in Belgien seit dem Zweiten Weltkrieg“, so die Schlussfolgerung einer Untersuchung der flämischen Universität VUB in Brüssel. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit“ ist das Coronavirus die Ursache. Besonders betroffen sind Mons, Brüssel und Hasselt. Auffallend: Die jungen Altersgruppen bleiben vom Anstieg der Sterberate verschont.

Extrem viele Todesfälle waren in dem Zeitraum vom 1. bis 12. April zu verzeichnen. Am 10. April wurden 639 Tote registriert. Das ist eine Verdopplung der durchschnittlichen Sterberate an einem Tag, stellen die Demografen der VUB fest.

Besonders schwer wiegt der Monat April sowohl in absoluten Zahlen als auch pro Kopf.

Zählt Belgien zu viele Coronatote?

Die Zählmethoden der Coronatoten in Belgien hatten sogar international für Aufhebens gesorgt. Vergleicht man die belgische Sterberate mit den Zahlen in anderen Ländern, liegt Belgien mit an der Spitze der Länder mit dem höchsten Anteil Coronatoten.

Den Forschern der VUB zufolge stimmen die belgischen Zahlen: „Von Anfang an hat Belgien die Zahlen auf eine sehr akkurate Weise erfasst“, sagt Professor Patrick Deboosere, „und gewisse Länder werden ihre Zahlen nach oben verbessern müssen.“ Die Zahlen beweisen aber auch, dass Belgien tatsächlich sehr schwer von den Auswirkungen der Pandemie getroffen worden ist.

UPI

Schwer getroffen: Mons, Brüssel, Hasselt und Lüttich

Bestimmte Städte hat es in der Coronakrise besonders schwer erwischt. In Mons, Brüssel und Hasselt hat sich die Sterberate verdoppelt. In Lüttich ist sie mit 80 Prozent gestiegen.

Zwei Orte, Diksmuide in Flandern und Huy in der Wallonie, verzeichnen keine höhere Sterberate. Alle anderen Verwaltungsbezirke registrieren leicht höhere Sterbezahlen, vergleichbar mit den Auswirkungen einer schweren Grippe im selben Zeitraum. 

Lockdown-Maßnahmen haben Schlimmeres verhindert, vor Allem in den jungen Jahrgängen

Angesichts der schnellen Verbreitung von Covid-19 und verschiedenen Infektionsherden haben die Ausgangsbeschränkungen vom 13. März wohl eine viel schlimmere Gesundheitskrise und Sterbesrate verhindert“, sagt Professor Deboosere.

Die Ausgangsbeschränkungen, die Mobilität und Freizeit seit dem 13. März drastisch reduziert haben, sind insbesondere den Altersgruppen zwischen 25 und 44 Jahren zugutegekommen. In diesen Altersgruppen stellten die Forscher eine viel geringere Sterberate fest.

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