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Gaststätten geschlossen: Brauereien befürchten einen Umsatzrückgang von 10% im laufenden Jahr

Der Brauereisektor schätzt die Verluste der Brauereien im März, April und Juni dieses Jahres auf 400 Millionen Euro. Dies entspricht 10% des Jahresumsatzes, so der Verband der belgischen Brauereien. Diese Berechnungen basieren auf der voraussichtlichen Wiedereröffnung des Gaststättengewerbes am kommenden 8. Juni. Allerdings wurde dieses Datum noch nicht vom Nationalen Sicherheitsrat bestätigt. 

Cafés und Restaurants sind für 42% des Bierkonsums in Belgien gut, und ihre Schließung seit Mitte März war für die Umsätze der Brauereien eine starke Belastung. Der Bierkonsum in Belgien ging im April um 50% zurück, und das wurde durch den Bierverkauf im Handel nicht wettgemacht. 

"Nach einer leichten Aufstockung der Lagerbestände um den 13. März herum waren die Einzelhandelsumsätze im März stabil, bevor sie im April um 5% zurückgingen", so Jean-Louis Van de Perre, Präsident des belgischen Brauereiverbandes. Vor allem der Verkauf des in belgischen Kneipen  beliebten Pilsbieres ging stark zurück, während die Verkäufe von alkoholfreien und alkoholarmen Bieren im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 5% stiegen. Diese Kategorie, die in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt hat und deren Marktanteil im Jahr 2019 6 % erreichte, bestätigt somit ihren Platz in den Konsumgewohnheiten der Belgier, auch wenn diese gezwungenermaßen zu Hause bleiben müssen.

Die Schließung der Grenzen hat es den belgischen Brauereien, die normalerweise 70% ihrer Produktion exportieren, auch nicht leichter gemacht. Von den rund hundert Mitgliedern des Verbandes mussten 35 % ihre Tätigkeit teilweise oder ganz unterbrechen. Das verkaufte Biervolumen ging von März bis Juni um schätzungsweise eine Million Hektoliter zurück, so Jean-Louis Van de Perre. "Das sind dramatische Zahlen, die es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben hat".

Der Brauereiverband hofft auf die Wiedereröffnung der Gaststätten am 8. Juni, weil diese „ein wesentlicher Bestandteil des sozialen Gefüges sind und stark mit dem lokalen Tourismus verbunden". "Die Cafés sind Teil unseres Erbgutes und unserer DNA", fuhr der Präsident der Brauerei fort. "Wir unterstützen eine rasche Wiedereröffnung, aber unter strengen Bedingungen. Wir wollen nicht wiedereröffnen und dann zwei Monate später wieder schließen müssen".

Neben Mundmasken für das Personal und der Wahrung der sozialen Distanz denkt der Sektor - in Absprache mit den Hotel- und Gaststättenverbänden und den Zulieferern - an ein Reservierungssystem, wenn dies möglich ist, und daran, in einem ersten Schritt nur die Sitzplätze in einem Betrieb zu nutzen. "Terrassen würden die Umsetzung solcher Maßnahmen erleichtern", stellt Jean-Louis Van de Perre fest.

Die Brauereien beschäftigen in Belgien 6.255 Mitarbeiter. Sie bitten die Regierung auch weiterhin um aktive Unterstützung, insbesondere durch die Verlängerung der Möglichkeit der Kurzarbeit bis zum 30. September, die Senkung der Mehrwertsteuer von 21% auf 6% auf alle im Gastgewerbe servierten Getränke und die Senkung der Verbrauchssteuer auf Bier.