Smog in Gent im November 2019

Flämische Wissenschaftler stellen sich Fragen: Hat die Luftverschmutzung Einfluss auf Covid-19-Erkrankungen?

Wissenschaftler aus dem belgischen Bundesland Flandern machen sich Sorgen über die hohe Zahl an Corona-Sterbefällen in unsere Land und stellen sich die Frage, ob ein Zusammenhang mit der hierzulande recht hohen Luftverschmutzung zusammenhängen könnte. Bewiesen ist dies nicht, doch die Statistik liefert Hinweise, denen die Wissenschaftler nachgehen werden, auch wenn dies Zeit braucht.

Das belgische Bundesland Flandern gehört zu den schlechten Schülern in der EU in Sachen Luftverschmutzung. Hinzu kommt noch, dass unser Land nicht weit von weiteren industriellen Hochburgen mit hoher Luftverschmutzung entfernt ist. Dazu gehören z.B. auch Nordfrankreich und das Ruhegebiet in Deutschland. Ähnlich wie Flandern ergeht es auch den Italienern in der Lombardei, eine von Covid-19 extrem heimgesuchte Region mit ebenfalls hoher Luftverschmutzung. Dass sich die Wissenschaft Fragen stellt, ob es einen Zusammenhang zwischen den hier eher hohen Sterberaten durch Covid-19 und schlechten Luftverschmutzungswerten geben kann, ist eigentlich nicht verwunderlich.

Belgien hat pro Kopf eine der höchsten Corona-Sterberaten weltweit, auch wenn hierzulande auch nicht genau bestätigte Todesfälle z.B. in Seniorenheimen mitgezählt werden. Einen solchen möglichen Zusammenhang sieht auch die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, die im Hinblick auf die Zeit nach Corona den umweltverschmutzenden Autoverkehr in ihrer Metropole weiter einschränken will. Hidalgo sagte deutlich dazu: „Die Feinstaubverschmutzung sorgte für eine Beschleunigung der Ausbreitung des Coronavirus.“ Auch diese Reaktion führt dazu, dass sich Wissenschaftler aus Flandern dem Phänomen annehmen und genauer unter die Lupe nehmen wollen.

Verrückte Hypothese oder muss man sich Sorgen machen?

Eine der zu beantwortenden Fragen ist die folgende: Sterben an Covid-19 erkrankte Patienten schneller, wenn sie in Regionen lebten, in denen die Luftverschmutzung hoch ist? Der Toxikologe und Facharzt für Atemwegserkrankungen der Universität Löwen (KU Leuven), Ben Nemery, sagt dazu gegenüber VRT NWS: „Jemand, der sich mit Covid-19 angesteckt hat und der in einer luftverschmutzten Region lebt, hat eine schlechtere Prognose. Eine dadurch höhere Sterberate ist plausibel, doch dies ist noch nicht bewiesen.“ Ähnlich sieht dies auch Prof. Tim Nawrot von der Hasselter Universität (U Hasselt): „Eine höhere Sterberate ist in diesem Zusammenhang keine völlig verrückte Hypothese. Wir wissen, dass Luftversc-hmutzung die Immunität und Entzündungen in der Lunge verursacht. Das kann negative Auswirkungen auf die Lebenserwartung eines Patienten haben.“

Der Toxikologe und Intensivmediziner der Antwerpener Universitätsklink (UZ Antwerpen) Philippe Jorens bestätigt, dass eine verschmutzte Atmosphäre schwere Atemwegserkrankungen hervorrufen kann: „Das ist schon beim klassischen Grippevirus belegt. (…) Es scheint uns sehr logisch, dass eine Kontaminierung auch einen Effekt auf das neue Coronavirus haben kann. Eine Studie aus Belgien zeigt ebenfalls, dass sie, wenn sie in einer verschmutzten Umwelt gelebt haben, bei schwerer Atemwegserkrankung länger auf Intensivstation und an einem Beatmungsgerät behandelt werden müssen.“

Flämische Wissenschaftler wollen Zusammenhänge prüfen

Die flämischen Wissenschaftler beschäftigen sich mit der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Luft- und Umweltverschmutzung und dem Gesundheitszustand von Coronapatienten gibt, mehr und mehr. Doch um sicher sein zu können, ob tatsächlich eine Verbindung zwischen schlechter Luft und einer höheren Sterberate bei Covid-19-Patienten besteht, müssen die Daten von allen Patienten analysiert werden. Dies haben einige Wissenschaftler von Universitäten im belgischen Bundesland Flandern vor zu tun, doch das dauert seine Zeit und diese Gesundheitskrise ist noch nicht vorbei. 

Smog in Brüssel
Copyright 2017 The Associated Press. All rights reserved.