Terrorexperte: Extremisten nutzen die Coronakrise und die sozialen Netzwerke für sich

Das belgische Koordinationsorgan für Bedrohungsanalyse (OCAD) hat auch während der Corona-Pandemie viel Arbeit. Der Leiter von OCAD, Paul Van Tigchelt (Foto), sagte diese Woche gegenüber der frankophonen Tageszeitung Le Soir, dass auch und gerade jetzt Extremisten versuchen würden, diese Krise für sich nutzen zu können. Inzwischen rücken hierzulande auch Rechtsradikale und Verschwörungstheoretiker mehr und mehr in den Fokus des Staatsschutzes. 

Laut OCAD-Leiter Van Tigchelt ist derzeit die Gefahr eines Anschlags aus rechtsextremen Kreisen mindestens so akut, wie ein Anschlag von radikal-islamistischen Terroristen. Inzwischen stehen auch Verschwörungstheoretiker im Fokus der Beobachtung, zumindest seit es auch hier in Belgien Brandanschläge gegen Antennenmasten für Mobilfunk in Zusammenhang mit der Idee gibt, 5G sei für die Verbreitung des Coronavirus mitverantwortlich.

„Einerseits sehen wir einen Rückgang der islamistischen Bedrohung, doch andererseits nimmt die Bedrohung durch Rechtsextreme zu“, so Van Tigchelt gegenüber Le Soir. Beide Ideologien bleiben eine Gefahr, so der Staatsschützer weiter und austoben würden sich die hier Aktiven über die sozialen Medien: „Das ist der Raum, wo sie sich ausdrücken und bewegen.“

Alle Extremisten würden derzeit versuchen, diese Gesundheitskrise für sich zu nutzen: „Sie nutzen diese Krise in den sozialen Netzwerken, um ihre Theorien zu unterstreichen und um ihre Sympathisanten zu bedienen.“ Dabei würden auch neue Menschen angesprochen und versucht, zu überzeugen und zu manipulieren. Dabei würde, so Paul Van Tigchelt, mit Ängsten, mit Isolation und mit Unwissenheit gespielt.

In Sachen Anschläge und Verschwörung gegen das schnelle 5G-Mobilfunknetz stellt das OCAD fest, dass sich Linksextreme, Rechtsextreme und Verschwörungstheoretiker immer näher kommen würden und dies werde inzwischen auch mit der Coronakrise verbunden. Diese Entwicklung ist für den Staatsschützer eine bedrohliche und beunruhigende Tatsache.

Van Tigchelt sagt in Le Soir mit Nachdruck, dass man in Europa im Allgemeinen und in Belgien im Besonderen weitere Anschläge auf 5G-Infrastruktur unbedingt verhindern müsse, denn diese Technik sei nicht zuletzt auch wichtig, um Menschenleben zu retten.