(Foto: Museum M © Dirk Pauwels)

"Rodin, Meunier & Minne", das Museum M in Löwen zeigt drei bahnbrechende Bildhauer

Seit dieser Woche dürfen auch in Belgien die Museen wieder öffnen. Mehr als zwei Monate lang waren sie im Rahmen der Coronamaßnahmen zwangsweise geschlossen. Jetzt dürfen die wieder Besucher begrüßen, allerdings nur unter einigen Standardbedingungen, das coronabedingte "social distancing" betreffend. Die Wiedereröffnung der hiesigen Museen kommt für das Museum M in Löwen in Flämisch-Brabant wie gerufen, war doch für diesen Moment die große Bildhauerausstellung zu Auguste Rodin, Constantin Meunier und  George Minne geplant. Diese drei Bildhauer gelten als Vorreiter für die moderne Bildhauerei, auch wenn Rodin, Meunier und Minne ihre Ideen in der Vergangenheit suchten und fanden. 

Ende des 19. Jahrhunderts setzen sich viele Künstler in Europa von den klassischen und akademischen Maßstäben ab, in deren Zwängen sie sich während rund 100 Jahren und noch länger befanden. Sie suchten eigene Stile, eigene Ausdrucksweisen und eine eigene Herangehensweise an die plastische Kunst. Vor allem in der Bildhauerei gab es eine deutliche Hinwendung zu einer persönlichen Formensprache, die sich bei den in Museum M gezeigten Künstlern Auguste Rodin, Constantin Meunier und George Minne deutlich zeigt.

Für diese drei Bildhauer und deren zukunftsweisenden Arbeiten war allerdings die Vergangenheit die Quelle der Inspiration, genauer das Mittelalter und die Gotik. Rodin gab stets zu verstehen, dass er in der mittelalterlichen Kunst eine Art freien Ausdruck fand, den er nirgendwo anders entdecken konnte. Meunier fand Inspiration in der religiösen Formensprache des Mittelalters. Dies war auch Minne nicht fremd, doch er ging mit dieser Basis tiefer ins Mystische hinein.

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(Foto: Museum M © Dirk Pauwels)

Auguste Rodin

Auguste Rodin (1840 - 1917), gelernter Steinmetz und Gießer ohne weitere künstlerische Ausbildung (er wurde auf keiner Kunstschule angenommen, ist zweifellos der bedeutendste Bildhauer Frankreichs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Rodin führte Bildhauerei und Plastik zu völlig neuen Ausdrucksformen und kam mit seinen bewegten Oberflächen in der Formgebung dem Impressionismus sehr nahe, inhaltlich jedoch ist sein Schaffen deutlich vom Symbolismus beeinflusst.

Ihn interessierte weniger, in seinen Werken eine Geschichte zu erzählen. Er suchte vielmehr Emotionen in seinen Figuren. Mit Werken wie „Der Denker“ oder „Eva“ schuf er Ikonen der Moderne, mit denen er seinerzeit allerdings eher aneckte. Den internationalen Durchbruch schaffte er eher spät, etwa zur Jahrhundertwende und dies auch mit Hilfe eines neuen Mediums, mit der Fotografie, die seine Werke vervielfältigte und in die Welt hinaustrug.

George Minne

George Minne (1866 - 1941), Bildhauer und Zeichner, gehörte zu den Künstlern, die es schafften, sich dem Einfluss von Rodin entziehen zu können. Er schuf einen eigenen Stil, der sich auf wenige Ausdrucksformen reduzierte. Minne, der jahrelang der akademischen Welt an den Kunsthochschulen von Brüssel und Gent verbunden blieb, zog etwa zur Jahrhundertwende in das Dörfchen Sint-Martens-Latem (Flämisch-Brabant), wo er gemeinsam die „Latemse Schulde“ gründete, eine Künstlergemeinschaft dem deutschen Worpswede ähnlich. Minne schuf einige höchst stilisierte Skulpturen von ausgemergelten und sehr pathetisch daherkommenden Figuren, wie z.B. den „Knienden Jüngling“.

Diese und ähnliche Figuren begeisterten auch belgische Dichter, wie Emile Verhaeren oder Maurice Maeterlinck, für den Minne Zeichnungen für dessen Bücher fertigte. Auch durch die Förderung durch den Architekten Henry van de Velde wurde Minne international bekannt. In der 8. Ausstellung der Wiener Secession zeigte er u.a. eines seiner Schlüsselwerke, eben den „Knienden Jüngling“, der seinerzeit Maler, wie Egon Schiele, Oskar Kokoschka oder auch Gustav Klimt beeindruckten und beeinflussten. Diese Fuigur tauchte in einem weiteren Werk, im „Brunnen mit knienden Knaben“ im Essener Folkwang Museum wieder auf.

Constantin Meunier

Dass der Bildhauer, Maler und Grafiker Constantin Meunier (1831 - 1905) unter den im Museum M gezeigten Bildhauern der eigentlich unbekannteste ist, mag verwundern. „Constantin Meunier ist in allen seinen Werken besser als ich. Er malte alles wovon ich träumte, dass ich es auch malen könnte“, schrieb ein gewisser Vincent van Gogh über ihn und Auguste Rodin nannte ihn „einen der größten Künstler unseres Jahrhunderts“. Anfangs malte er Bilder mit religiösen und bourgeoisen Inhalten, doch damit erzielte er keine wirklichen Erfolge. Doch dann besuchte er 1879 die Kristallwerke Val-Saint-Lambert und die Stahlfabriken von Cockerill in Lüttich und später die Zechen im Borinage in der Provinz Hennegau.

Dabei fertigte er zahllose Zeichnungen von den dort schwerst arbeitenden Menschen, die zu monumentalen Gemälden und Skulpturen führten. Danach bekam er Aufträge für Denkmäler auf Plätzen und in Parks. Zwei davon sind sehr bekannt: Das Denkmal für die Hafenarbeiter auf dem „Eilandje“ in Antwerpen und das „Monument der Arbeit“ an der Van Praet-Brücke im Brüsseler Ortsteil Laken. Letztendlich aber blieb ihm ein internationaler Durchbruch verwehrt. Die meisten älteren Belgier müssten ihnen aber kennen, denn sein Kopf zierte einst Millionen von 500 Franken-Scheinen in der Zeit vor dem Euro…

Meunier-Museum in Brüssel

Meuniers Tochter Charlotte schenkte den belgischen Staat 1936 dessen Atelierhaus mit rund 700 Werken. Dort, in der Abdijstraat 59 im Brüsseler Stadtteil Elsene, ist bis heute das Constatin Meunier Museum zu entdecken (https://www.fine-arts-museum.be/nl/de-musea/musee-meunier-museum).

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(Foto: Museum M © Dirk Pauwels)

Spitzenwerke von Rodin, Meunier & Minne mittelalterlichen Werken gegenübergestellt

Das Museum M in Löwen besitzt eine eindrucksvolle Sammlung von Werken der Bildhauerei auch und gerade aus dem Mittelalter. Solche Werke werden in der Ausstellung „Rodin, Meunier & Minne“ denen der drei gezeigten Künstler gegenübergestellt. Dabei wird wunderbar verbildlicht, wo die Parallelen zu finden sind. Doch anhand solcher Gegenüberstellungen werden auch Themen aus der Bild- und Formensprache besprochen: Trauer, Verlust, Abschied. Sinnbildlich stehen hier die drei Werke „Smart“ von Meunier, „Märtyrer“ von Rodin und „Trauernde Mutter mit zwei Kindern“ von Minne als Beispiel.

Museum M: Leopold Vanderkelenstraat 28, 3000 Löwen, Info: https://www.mleuven.be/

(Foto: Museum M © Dirk Pauwels)

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