Villenviertel in Knokke-Heist

Pünktlich zum langen Wochenende:  Belgier dürfen wieder in ihre Zweitwohnung

Besitzer von Zweitwohnsitzen - etwa an der Küste oder in den Ardennen - dürfen diese ab sofort wieder aufsuchen. Der Nationale Sicherheitsrat hatte am Mittwoch beschlossen, das seit Wochen geltende und sehr umstrittene Verbot aufzuheben. Premierministerin Sophie Wilmès (MR) bestätigte am Mittwoch entsprechende Aussagen von Flanderns Ministerpräsident Jan Jambon (N-VA), die dieser am Nachmittag im flämischen Landesparlament gemacht hatte. Am Abend verkündete Bundesinnenminister Pieter De Cram (CD&V), dass das Besuchsverbot einer Zweitwohnung ab sofort aufgehoben ist. 

Dass Zweitwohnungen unter Umständen bereits kurzfristig wieder aufgesucht werden können, habe der Nationale Sicherheitsrat aufgrund von Empfehlungen der Virologen aus dem Krisenzentrum schon am Mittwoch im Laufe des Tages beschlossen, so Premierministerin Wilmès, doch zu einem Zeitpunkt oder zu einem Datum konnte sie am Nachmittag in der Ersten Kammer des belgischen Parlaments noch nichts sagen.

Dazu müsse man zuerst erst die Provinzgouverneure und die betroffenen Bürgermeister fragen, hieß es dazu im Laufe des Nachmittags. Letztere zeigten sich bereits zufrieden darüber. Sorgen bereitete dies jedoch weiterhin dem westflämischen Provinzgouverneur Carl Decaluwé, der im Vorfeld schon meinte: „Wenn jetzt alle 200.000 Besitzer einer Zweitwohnung an die Küste kommen, dann haben wir ein Problem.“ Decaluwé ist in seinem Amt für die gesamte belgische Nordseeküste bzw. für die dortigen Städte und Gemeinden zuständig, denn diese befinden sich eben in der Provinz Westflandern.

Doch die Politik sah keinen Anlass mehr dafür, dieses Verbot ohne Not noch länger aufrecht zu erhalten. Bevor dieses Verbot aufgehoben werden konnte, musste aber noch der entsprechende ministerielle Erlass gefasst und im elektronisch erscheinenden belgischen Staatsblatt veröffentlicht werden. Dies war noch am Mittwoch der Fall. Bundesinnenminister De Crem bestätigte am Abend, dass die Zweitwohnungen schon an diesem langen Himmelfahrtswochenende besucht werden dürfen, also quasi per direkt.

Dies betrifft alle Besitzer von Zweitwohnsitzen z.B. an der belgischen Küste oder in den Ardennen. Premierministerin Wilmès legte allerdings Wert auf die Feststellung, dass dies alle Besitzer oder Mieter von Zweitwohnungen betreffe, also auch z.B. Langzeitmieter von Wohnwagen auf Campingplätzen: „Es geht hier bei weitem nicht nur die Besitzer von chiquen Ville“.

Gegen dieses Verbot hatten diese Woche rund 300 Besitzer von Zweitwohnungen und Zweitwohnsitzen in Belgien eine Sammelklage eingereicht. Dieses juristische Verfahren verliert dadurch wohl seine Berechtigung, es sei denn, die Kläger wollen Entschädigungen für die Zeit, in der sie ihre Zweitresidenzen nicht betreten durften, erreichen.