Egbert Lachaert wird mit großem Vorsprung neuer Parteivorsitzender der flämischen Liberalen

Die Wahlen zum Parteivorsitz der flämischen Liberalen Open VLD haben bereits in der ersten Runde einen klaren Sieger hervorgebracht: Egbert Lachaert (Foto) erhielt die absolute Mehrheit, vor Bart Tommelein, Els Ampe und Stefaan Nuytten. Er übernimmt die Partei von Gwendolyn Rutten.

16.000 Mitglieder der Open VLD haben in den letzten Tagen ihre Stimme abgegeben - das ist weniger als ein Drittel der Gesamtzahl der Mitglieder. 61,03 Prozent stimmten für Lachaert. Der liberale Bundesminister Alexander De Croo wird stellvertretender Vorsitzender der Partei.

Egbert Lachaert ist derzeit der Vorsitzende der Open VLD-Fraktion in der Kammer des belgischen Bundesparlamentes. Der 42-jährige Rechtsanwalt aus Merelbeke (Provinz Ostflandern) war bereits 2012 Kandidat für den Parteivorsitz, verlor damals aber gegen Gwendolyn Rutten. Seit 2013 ist er in der nationalen Politik tätig: zunächst fünf Jahre lang als flämischer Abgeordneter, jetzt als Abgeordneter des belgischen Parlaments. Auch sein Vater war Parlamentarier. Zusammen mit Vincent Van Quickenborne, dem Bürgermeister der westflämischen Stadt Kortrijk,  gehört Lachaert zum rechten Wirtschaftsflügel seiner Partei, obwohl er selbst kein Fan solcher Etiketten ist. 

Vier Kandidaten für den Parteivorsitz

Der 58-jährige Bart Tommelein war nach außen hin sicherlich der bekannteste Kandidat, hat es aber nicht geschafft. Tommelein ist Bürgermeister von Ostende und Abgeordneter des flämischen Parlaments. Er war schon belgischer Staatssekretär und flämischer Landesminister. Tommelein erhielt 29 Prozent der Stimmen.

Auch die beiden anderen Kandidaten schafften es nicht: die 41-jährige flämische Abgeordnete Els Ampe erhielt 7,31 Prozent und der 56-jährige Unternehmer Stefaan Nuytten 1,9 Prozent der Stimmen.

"Wir werden noch lange über unseren Parteinamen sprechen"

In seiner kurzen Siegesrede vor einem fast leeren Saal in der Brüsseler Parteizentrale betonte Lachaert, dass für die Open VLD nach siebeneinhalb Jahren Präsidentschaft durch Gwendolyn Rutten ein neues Kapitel anbricht: "Viele unserer Mitglieder erwarten von mir, dass ich einige Akzente unserer Botschaft deutlicher hervorhebe. Gleichzeitig möchte ich aber auch unsere Arbeit erweitern, wir werden keine Geschichte für eine Gruppe in der Gesellschaft schreiben. Wir wollen einen breiten Liberalismus propagieren", sagte Lachaert. Er will auch die Einheit der Partei nach den Wahlen wiederherstellen.

Ich freue mich darauf, mit der neuen Parteiführung hart an einem neuen liberalen Kapitel in Flandern zu arbeiten.
Egbert Lachaert

"Der Liberalismus lebt in einer schwierigen Zeit, mit populistischen Stimmen, in der unsere nuancenreiche Botschaft nicht einfach zu vermitteln ist. In solch schwierigen Zeiten hat Gwendolyn Rutten als Vorsitzende hervorragende Arbeit geleistet", warf Lachaert seiner Vorgängerin eine Blume zu. Er gratulierte auch seinen Gegenkandidaten und dankte ihnen.

"Ich freue mich darauf, mit der neuen Parteiführung hart an einem neuen liberalen Kapitel in Flandern zu arbeiten, mit einem Parteinamen, über den wir noch lange sprechen werden (Lachaert hatte vorgeschlagen seiner Partei einen neuen Namen zu geben, Anm. d. Red.), und mit unserem gepfefferten Inhalt". Lachaert kündigte auch eine Reihe von Parteitagen für den Herbst an, auf denen unter anderem die Struktur der Open VLD diskutiert werden soll.

"Die Mitglieder haben entschieden, die Demokratie hat sich klar ausgesprochen", gab Bart Tommelein seine Niederlage zu. "Ich hoffe, Egbert, dass Sie auch die Vorschläge Ihrer Gegenkandidaten berücksichtigen werden. Und dass Sie dafür sorgen, dass wir einen breiten Volksliberalismus entwickeln, der so viele Antworten wie möglich auf die Herausforderungen gibt, vor denen die Menschen stehen“.

Auch Els Ampe wünschte Lachaert viel Glück. "Ich werde weiter für die Basis kämpfen, und ich hoffe, dass unsere Partei mehr als je zuvor wachsen wird". Stefaan Nuytten sah vor allem Ähnlichkeiten zwischen den vier Kandidaten: "Ich bin überzeugt, dass wir in der Lage sein werden, ein neues liberales Programm mit Blick auf den Neuanfang zu schreiben, der nach der Coronakrise nötig sein wird“.

In den sozialen Medien erhält Lachaert bereits Glückwünsche, auch von anderen Parteivorsitzenden.

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