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13 Verhaftungen in Zusammenhang mit 39 Toden Vietnamesen in einem Kühl-LKW in Essex

Bei mehreren Haussuchungen in Brüssel sind 13 Personen festgenommen worden. Den Verdächtigen wird vorgeworfen, in den vergangenen Monaten hunderte Vietnamesen nach Großbritannien geschleust zu haben. Die Schleuserbande soll auch den Transport organisiert haben, bei dem im Oktober 2019 die Leichen von 39 Vietnamesen in einem Kühllaster in Essex in England entdeckt wurden (Foto).

Polizei und Justiz sind am Mittwochmorgen in einer koordinierten Aktion in mehreren Stadtteilen von Brüssel gegen eine Bande von Schleusern vorgegangen. Dabei wurden insgesamt 16 Häuser und Wohnungen Anderlecht, Schaarbeek, Molenbeek, Sint-Pieters-Leeuw, Ganshoren, Ukkel und Etterbeek durchsucht. Insgesamt wurden 13 Verdächtige festgenommen: 13 Vietnamesen und 2 Marokkaner. Auch in Frankreich gab es zum gleichen Zeitpunkt Haussuchungen in diesem Fall.

Wenke Roggen, die Sprecherin der Bundesstaatsanwaltschaft in Brüssel, sagte dazu gegenüber VRT NWS, dass es sich dabei um gemeinsame Ermittlungen mit Frankreich, Irland und Großbritannien gehandelt habe, die zudem mit Europol und Eurojust koordiniert wurde: „Wir vermuten, dass diese Bande Teil eines Netzwerkes ist, das monatelang täglich Dutzende Vietnamesen auf die britischen Inseln geschleust haben.“

Gegen 5 der Festgenommenen wurde nur Stunden nach deren Verhaftung Untersuchungshaft angeordnet. Ihnen wird schwerster Menschenschmuggel unter verschärften Bedingungen und die Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation sowie Urkundenfälschung vorgeworfen. Bei einer Verurteilung riskieren sie bis zu 15 Jahre Haft und ein Bußgeld über 150.000 € pro geschleuste Person.

Die Ermittlungen begannen bereits im Herbst letzten Jahres, nach dem in einem Kühlwagen in der südenglischen Grafschaft Essex am 13. Oktober 39 Leichen von Vietnamesen entdeckt worden waren. Dieser LKW, bzw. der Auflieger, war am Tag davor über den Hafen von Zeebrügge nach Großbritannien gekommen, wo er von einem nordirischen Lastwagenfahrer mit dessen Zugmaschine abgeholt wurde. Ermittlungen hatten ergeben, dass sich  mehrere der Toten zuvor länger in Belgien aufgehalten hatten.

Der Trucker hatte die 39 in dem Kühl-Auflieger erstickten Leichen auf einem Werksgelände in Grays in Essex entdeckt und war zunächst geflüchtet. Er gab bei seinem Verfahren in London seine Schuld zu. Inzwischen ist der irischen Polizei der mutmaßliche Drahtzieher dieses Transports ins Netz gegangen. Die britische Justiz fordert die Auslieferung des Verdächtigen. 

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