Hannah Arendt-Institut: Neues Zentrum rund um Diversität und Menschenrechte in Mechelen

In Mechelen in der Nähe des Holocaus-Mahnmals und der Kaserne Dossin ist das Hannah Arendt-Institut vorgestellt worden, dass sich in Zukunft mit Themen, wie Diversität, Menschenrechte, Zivilgesellschaft und Radikalisierung beschäftigen wird. Leiter dieser Einrichtung, eine Initiative der flämischen Freien Universität Brüssel (VUB) und der Universität von Antwerpen (UAntwerpen), wird Christophe Busch, der erst vor einigen Monaten seinen Abschied in der Kaserne Dossin nahm.

Busch hatte die Kaserne Dossin, das Holocaust-Museum und Zentrum für Menschenrechte in Mechelen, nach einem inhaltlichen Konflikt mit dem Verwaltungsrat. Man habe seiner Arbeit in Richtung aktueller gesellschaftlicher Themen zu wenig Raum geben wollen, so Busch, der die Kontroverse, die zu seinem Abgang führte, als „abgeschlossenes Kapitel“ bezeichnet. Er legt überdies Wert auf die Feststellung, dass das neue Hannah Arendt-Institut in keiner Weise als Konkurrenz zu seinem ehemaligen Arbeitgeber zu sehen sei.

Busch und sein Team in dieser neuen Einrichtung, das übrigens seinen Sitz in einem Seitenflügel des Rathauses von Mechelen haben wird, werden in Bereichen, wie Diversität, Menschenrechte, Zivilgesellschaft und Radikalisierung aktiv und bieten Information, Weiterbildung und Aufklärung dazu an.

Den Raum zwischen der akademischen Welt und der Arbeit an der Basis füllen

Gegenüber dem VRT-Sender Radio 1 sagte der Leiter des Hannah Arendt-Instituts, dass man mit diesem von zwei Universitäten initiierten Institut den Raum zwischen der akademischen Welt und den Menschen an der Basis ausfüllen wolle:

„Wir wollen an der Aufwertung von Wissenschaft arbeiten. Das bedeutet, dass die Resultate von wissenschaftlichen Untersuchungen für Menschen verständlich gestaltet wird, die an der Basis rund um Diversität und Bürgerschaft arbeiten. Wir begleiten auch Städte in Sachen gesellschaftliche Herausforderungen. Das betrifft Bürgermeister, Diversitäts- und Radikalisierungsbeamte sowie alle anderen Dienste, die sich mit dem sozialen Gewebe der Gesellschaft beschäftigen.“ Das Hannah Arendt-Institut sucht nach weiteren Partner neben der Stadt Mechelen, der VUB und der Antwerpener Universität.

Wer war Hannah Arendt?

Die von den Nationalsozialisten ausgebürgerte deutsche Jüdin Hannah Arendt (1906-1976), die 1950 die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm, war nach ihrer Flucht aus Deutschland als Historikerin, Journalistin, Publizistin und Hochschullehrerin tätig. Arendt entwickelte ein Erklärungsmodell totalitärer Herrschaft und setzte sich mit antiken und neuzeitlichen Philosophen auseinander. Selbst wollte sie nie als Philosophin bezeichnet werden. Arendt vertrat das Konzept „Pluralität im politischen Raum“, wonach es zwischen allen Menschen eine potentielle Freiheit und Gleichheit in der Politik gibt.

Als Berichterstatterin im Prozess gegen den NS-Verbrecher Adolf Eichmann in Israel prägte sie den Begriff der „Banalität des Bösen“, der eine heftige Auseinandersetzung auslöste. Mit ihrem politischen Hauptwerk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ Anfang der 1950er Jahre wurde sie öffentlich bekannt. Als Quellen für ihre Überlegungen nutzte Arendt neben philosophischen, politischen und historischen Dokumenten unter anderem Biografien und literarische Werke. Diese Texte wertete sie wortgetreu aus und konfrontierte sie mit ihren eigenen Denkansätzen.

Hannah Arendt
1969 AP