Courtesy Everett Collection

450 Jahre Atlas: Geburtstag einer Erfindung aus Antwerpen

Am 20. Mai 1570 erschien in Antwerpen die erste Ausgabe vom „Theatrium Orbis Terrarum“ („Theater der Welt“ - Foto oben und ganz unten), der ersten Sammlung von Landkarten in Buchform des Kartographen Abraham Ortelius. Nach Mercator gilt der Antwerpener Ortelius als der wichtigste Kartograph des 16. Jahrhunderts.

Ortelius' Atlas enthielt fast keine eigenen Karten, sondern sammelte Dutzende von Karten anderer mit Quellen und den Namen der Hersteller der Originalkarten. Die Weltkarte im Buch, der „Typus Orbis Terrarium“ (siehe Foto), war eine Synthese aus allem, was damals über die Größe und Form der Kontinente bekannt war, in einer Zeit der großen Entdeckungsreisen.

Abraham Ortelius (Foto unten) wurde 1527 in Antwerpen in einer Familie von „Kartenschreibern“ geboren, Grafiker, die auf das Färben von Illustrationen und Karten spezialisiert waren. Er arbeitete als Kartenkolorist und machte später, als Händler von Büchern und Antiquitäten, mehrere Reisen durch Europa. Eine dieser Reisen fand in Begleitung von Gerardus Mercator statt, der ihn dazu inspirierte, seine eigenen Karten zu erstellen und einen Atlas zusammenzustellen.

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Verkaufsschlager

Daraus wurde der „Theatrium Orbis Terrarum“, das „Theater der Welt“. Der Atlas wurde am 20. Mai 1570 veröffentlicht und ist Ortelius‘ einflussreichstes Werk. Er sammelte alle bis dahin bekannten Karten und ließ sie im gleichen Stil und im gleichen Format gravieren. Das Ganze wurde danach logisch nach Kontinent und Land geordnet. Die erste Ausgabe enthielt 53 Karten und die letzte, die im Jahr 1622 erschien, umfasste 167 Karten. Im Oktober 2017 wurde ein Exemplar in lateinischer Sprache aus dem Jahr 1603 in Brügge für rund 100.000 € versteigert.

Iris Koekelbergh, die Direktorin des Antwerpener Druck- und Grafikmuseums Plantin-Moretus, sagte gegenüber VRT NWS, dass Ortelius seinerzeit ein völlig neues Konzept entworfen hat: „Ortelius war der erste, der eine Sammlung Karten ohne philosophischem Hintergrund in Buchform bündelte. (…) Die Atlanten des Antwerpeners Ortelius verkauften sich damals in ganz Europa wie warme Semmel. Ein solches Buch wurde seinerzeit in 500 bis 800 Exemplaren herausgegeben, doch sein Werk wurde dutzende Male neu aufgelegt. Es gab auch kleinere Taschenexemplare von „Theatrium Orbis Terrarum“, die sehr erfolgreich waren.“

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Im Plantin-Moretus Museum zu sehen

In den verschiedenen Ausgaben rief Ortelius übrigens die Leser und Nutzer dazu auf, ihn zusätzliche und/oder neue Karten zuzuschicken. Damit korrigierte er dann seine eigenen Atlanten, um in der nächsten Ausgabe aktueller und vollständiger sein zu können. Im Plantin-Moretus Museum in Antwerpen (Foto unten) widmet sich ein ganzer Saal dem Werk von Abraham Ortelius. Vor allem die kolorierten Exemplare sind wahre Wunderwerke von feinster grafischer Kunst.

„Theatrium Orbis Terrarum“ ist über diesen Link zu entdecken (https://artsandculture.google.com/exhibit/abraham-ortelius-uitvinder-van-de-atlas-rockoxhuis/eAISufJvjgUVJA?hl=nl) . Doch ein Besuch um Plantin-Moretus Museum ist in jeder Hinsicht empfehlenswert. Museum Plantin Moretus, Vrijdagmarkt 22-23, 2000 Antwerpen, Info: https://www.museumplantinmoretus.be/de

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