Weniger Stromverbrauch durch Corona: Strompreise in Belgien historisch niedrig

Zum zweiten Mal in diesem Frühjahr liegen die Preise für Elektrizität in Belgien historisch niedrig. Vor einigen Wochen wurden sogar einmal negative Preise gemeldet. Die derzeit erneut sinkenden Preise sind in erster Linie eine Folge der Tatsache, dass viele Unternehmen hierzulande durch die Corona-Auflagen bzw. durch ausbleibende Aufträge sowie durch sinkende Im- und Exporte ihre Aktivitäten herunterfahren mussten und dementsprechend weniger Strom verbrauchten. Inzwischen wird das Netz der Offshore-Windkraftanlagen vor der belgischen Nordseeküste immer dichter.

Gleichzeitig zur negativen Preisentwicklung in Sachen Strom wird in Belgien seit einige Monaten besonders viel Energie aus erneuerbaren Quellen produziert, vor allem in den Bereichen Sonnen- und Windenergie. Nach Angaben von Elias, dem Betreiber der belgischen Hochspannungsnetze, ist der Preis für Elektrizität im Mai auf Monatsbasis um die Hälfte gesunken.

Aber, zu bemerken ist, dass es sich dabei um die Marktpreise für Großabnehmer aus Wirtschaft und Industrie handelt. In wie fern die privaten Stromverbraucher von dieser Entwicklung profitieren können, muss noch eine Weile abgewartet werden. Marie-Laure Vanwanseele von Elia sagte dazu, dass nach April auch im Mai neue Tiefstpreise am kurzfristige Strommarkt herrschten.

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Inzwischen meldete Elia aber auch, dass am Verteilerpunkt für Offshore-Windanlagen, einem sogenannten Modular Offshore Grid (MOG) in der Nordsee, alle vier Anlagen angeschlossen werden konnten. Zuletzt ging dort am Samstag der Windpark Seastar ans Netz. Davor wurden dort schon die Anlagen Rentel, Northwester und Mermaid angeschlossen. Der MOG ist seit September 2019 operativ.

Einige weitere belgische Windkraftanlagen auf hoher See liegen vor Zeebrügge, doch diese sind direkt mit dem Festland verbunden. Ende des Jahres müssten eigentlich alle entsprechenden Anlagen operativ sein, wie Elia mitteilt. Diese können gemeinsam bis zu 8 Terrawatt-Stunden Strom liefern, was in etwa 10 % des Gesamtbedarfs in Belgien darstellt.

Die belgische Bundesregierung arbeitet derzeit an einer zweiten Offshore-Zone vor der hiesigen Nordseeküste, die eher westlich in der Nähe zu Frankreich entstehen könnte. Dort soll dann auch ein weiterer Modular Offshore Grid eingerichtet werden. 

Nicolas Maeterlinck

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