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An Flanderns Universitäten beginnen die Klausuren, doch die Studierenden sind unzufrieden

Während an den flämischen Universitäten an diesem Pfingstmontag die ersten Klausuren beginnen, zeigen sich die Studierenden an den des Landes unzufrieden. Sie wissen oftmals immer noch nicht, wie das Ende dieses Studienjahre aussehen wird. Unis und Hochschulen müssen auch noch geeignete Räume finden, um die Examen durchführen zu können, weil die Zahl der Studierenden zu hoch ist, um in „Corona-gebührendem Abstand“ in die dafür vorgesehenen Räumlichkeiten an ihren Instituten in Klausur zu gehen.

An der Universität in Gent (UGent) schreiben an diesem Pfingstmontag insgesamt 5.000 Studierende in drei Schichten in der Messehalle von Flanderns Expo ihre Klausuren (Video oben, Fotos unten). Auch in Antwerpen (UAntwerpen) und Löwen (KULeuven) werden die Klausuren in verschiedenen Sälen abgehalten. In Antwerpen wird dazu ebendfalls die Messehalle von Antwerp Expo genutzt und eine derzeit leerstehende Halle des Hafen- und Logistikunternehmens Waagnatie. 

Die Löwener Universität organisiert in den eigenen Räumlichkeiten die schriftlichen Klausuren, doch diese Prüfungsphase wird den gesamten Monat Juni beanspruchen und es werden auch an Sonntagen Klausuren geschrieben. In Brüssel werden Klausuren u.a. im Konzertsaal AB veranstaltet, wo sonst Rock und Pop zuhause sind.

Die Studenten an den Unis und vor allem an den Hochschulen in Flandern sind derzeit sehr unzufrieden, denn sie fühlen sich sich selbst überlassen. Während sich Flanderns Bildungsminister Ben Weyts (N-VA) bis ins kleinste Detail um die Kindergärten und die Schulen kümmert, finden die Studierenden nach eigenen Angaben kaum Gehör. Doch deren Probleme sind nicht die kleinsten…

Kein Geld, Stress und Einsamkeit

Vielen von ihnen ist z.B. längst das Geld ausgegangen, denn fast alle Studentenjobs auch und gerade in der Gastronomie sind ausgefallen. Zudem haben sie Schwierigkeiten damit, ihren Unterrichten auf Abstand zu folgen und geeignete Räume zu finden, um zu lernen. Das sorgt genauso für Stress, wie die Tatsache, dass viele von ihnen in ihren Studentenwohnungen alleine verbleiben und auch kaum bis keinen Kontakt zu ihren Familien und Freunden haben. In Belgien müssen sich Studenten in den Städten anmelden, wo sie studieren, demnach gilt ihre Studentenbude als ihr erster Wohnsitz, den sie wie während des Lockdowns nicht in Richtung ihrer Heimatorte verlassen durften. 

"Gebt uns eine Stimme!"

Und jetzt, wo die Klausuren beginnen oder bereits begonnen haben, fühlen sie sich von der flämischen Landesregierung alleine gelassen. Inzwischen hat ein lockerer Studentenverband in den sozialen Medien eine Aktion lanciert, die unter dem Motto #geefonseenstem (#gebtunseinestimme) bereits 24.000 Unterschriften zusammengebracht hat.

Dort heißt es: "Wenn Minister Weyts im Fernsehen zu sehen ist, dann geht es immer um Kindergärten und die Unterstufen in den Schulen. Das ist natürlich auch wichtig, doch warum müssen wir und alleine durchschlagen? Warum werden wir ignoriert? Es erscheint noch nicht einmal ein Twitter-Bericht, in dem er sagt, dass er sich die Sache man anschaut?"

Bisher hat der Bildungsausschuss im flämischen Landesparlament lediglich einem Text zugestimmt, der den Studierenden zumindest teilweise entgegenkommt. Demnach verlieren sie keine Punkte, wenn sie in Fächern durchfallen, die im zweiten Semester, sprich während des Corona-Lockdowns, gegeben wurden. Sie müssen dazu allerdings sowohl eine erste und eine zweite Klausur geschrieben haben.

Doch den Studierenden reicht das nicht wirklich, denn die Sache mit den Punkten sei bereit geregelt und der einzige Unterschied zu bisher sei lediglich, dass Covid-19 als „höhere Gewalt“ angesehen wird. Doch das sei kein wesentlicher Schritt in Richtung der Studenten an Flanderns Unis und Hochschulen. 

"Ich arbeite mit den Studenten zusammen"

Landesbildungsminister Weyts reagierte im Laufe des Pfingstmontags und gab an, Verständnis für die Lage der Studierenden zu haben: "Aber, ich sitze wöchentlich mit den offiziellen Vertretern der Studenten zusammen. Sie vertreten rund 300.000 Studenten. Mit ihnen arbeite ich an konkreten Lösungen.

Weyts nannte drei Projekte: Ruhige Studienräumlichkeiten in den Unis und den Hochschulen; die Absprache, dieses Jahr milder in der Beurteilung der Studierenden in den Examen zu sein und die Möglichkeit, im Zuge der Coronamaßnahme verlorene Punkte zur Not auch auf juristischen Wege zurück erlangen zu können.

Der Minister gab aber auch zu, dass sein Fokus zuerst auf die Schulen und die Kindergärten gelegen habe, doch er bemerkte auch, dass er von mehr Selbständigkeit von Seiten der Studierenden" ausgegangen sei...

Nicolas Maeterlinck