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Flandern ruft die Sparer auf, in einen "Wohlstandsfonds" zu investieren

Die flämische Landesregierung stellte am Pfingstmontag eine neue Form der Unterstützung für die Corona-geplagte Wirtschaft vor. Dazu richtet sie einen „Wohlstandsfonds“ ein, in den sie selbst 240 Mio. € investiert. Daneben sind die Sparer im belgischen Bundesland Flandern dazu aufgerufen, ebenfalls Gelder in diesen Fonds zu investieren. Im Gegenzug können sie mit Steuervorteilen rechnen. Flandern geht davon aus, dass in diesen Fonds bis zu einer halben Milliarde Euro investiert werden können.

Wie soll dieser „Wohlstandsfonds“ funktionieren? Sparer aus Flandern können Anteile aus diesem Fonds erwerben und das belgische Bundesland kann aus diesem Topf heraus Geld in die Wirtschaft und in Unternehmen investieren. Die Regierung selbst trägt mit 240 Mio. € zur Finanzierung dieses Fonds bei, wie Landeswirtschaftsministerin Hilde Crevits (CD&V - Foto oben mit Landeschef Jan Jambon (N-VA)) dazu sagte. Die privaten Sparer bzw. Investoren erhalten einen Steuervorteil über 2,5 % für die Dauer von 3 Jahren für Anteile in Höhe von maximal 1.000 €.

Das bedeutet, dass jemand, der insgesamt 10.000 € in diesen flämischen „Wohlstandsfonds“ investiert, während drei Jahren 250 € an Steuern sparen kann. Die Regierung hat auch Vorteile in Erbschaftsfragen in dieses System eingebaut. Verstirbt ein Investor, dann müssen seine Erben nur 3 % Erbschaftssteuer auf dessen Investition abgeben. Dies ist besonders bei hohen Investitionen interessant, wie die Wirtschaftsministerin betonte. 

Heute sind dutzende Milliarden Euro auf den Sparbüchern geparkt. Mit den aktuell niedrigen Zinsen bringen diese nicht viel ein. Gleichzeitig beobachten wir, dass zahlreiche Unternehmen, gerade auch durch Corona, händeringend nach langfristigen Finanzierungen suchen, damit sie einen durchdacht und nachhaltig durchstarten können.“

Flanderns Wirtschaftsministerin Hilde Crevits

Die Flamen seien gute Sparer, so die Ministerin, und sie können damit die hiesige Wirtschaft in diesen Krisenzeiten sehr gut unterstützen: „Heute sind dutzende Milliarden Euro auf den Sparbüchern geparkt. Mit den aktuell niedrigen Zinsen bringen diese nicht viel ein. Gleichzeitig beobachten wir, dass zahlreiche Unternehmen, gerade auch durch Corona, händeringend nach langfristigen Finanzierungen suchen, damit sie einen durchdacht und nachhaltig durchstarten können.“ Dieses Paradox will die flämische Landesregierung nach eigenen Angaben durchbrechen.“

Das System sieht verschiedene Möglichkeiten vor, mit denen in die Wirtschaft und auch besonders in kleinere mittelständische Unternehmen sowie in junge Unternehmen investiert werden kann. Und sie sieht einen weiteren Fonds über 250 Mio. € vor, der ebenfalls Kredite ermöglichen soll, doch dieser Topf ist unabhängig von dem hier beschriebenen „Wohlstandsfonds“.

Bedingung? Eine flämische Verankerung der Kreditnehmer

Flandern bindet Kredite aus diesem „Wohlstandsfonds“ aber auch an einige Bedingungen. In erster Linie richtet sich die Landesregierung an beginnende Unternehmen, sprich an z.B. innovative Start-ups, aber auch an innovative Unternehmen im Allgemeinen. Und, diese Unternehmen sollten eng in Flandern verankert sein. Das bedeutet, dass auch ausländische Firmen, die eine starke Präsenz in Flandern zeigen, davon Gebrauch machen können.

Weitere Bedingungen, wie z.B. auf sozialer oder auf nachhaltiger Ebene, stellt die Landesregierung nicht, doch die Wirtschaftsministerin sprach wohl von „ethischer Vorgehensweise“.

Diese Maßnahmen sind Teil eines breiteren Plans, um die flämische Wirtschaft in diesen Coronazeiten wieder in Schwung zu bringen. Bisher griffen z.B. Prämien und Überbrückungsgelder sowie günstige Kredite für Unternehmen, die während des Lockdowns schließen oder die wesentliche Umsatzverluste hinnehmen mussten. Der Versuch, Spargelder zu aktivieren, ist eine Art zweite Phase dieses Plans. 

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