Ist der öffentliche Nahverkehr in Belgien der große Verlierer der Coronakrise?

Laut einer Studie der flämischen Freien Universität Brüssel (VUB) wollen bis zu 39% aller Belgier in Zukunft auf eine Fahrt mit einer Metro verzichten und auch Busse, Züge und Straßenbahnen werden wohl nach dieser Coronakrise nicht mehr so oft zum Pendeln genutzt, wie davor. Offenbar ist der ÖPNV in Belgien der große Verlierer dieser Gesundheitskrise, gilt er doch als Gefahrenzone für die Verbreitung von Covid-19. In Zukunft werden viele Belgier wohl eher zu Fuß gehen oder auf das Fahrrad umsteigen.

Die flämischen Tageszeitungen De Morgen und Het Laatste Nieuws sowie die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ melden auf Basis der VUB-Studie, dass rund 75 % unserer Landsleute seit Ausbruch der Coronakrise auf Fahrten mit Bussen und Bahnen der öffentlichen Nahverkehrsgesellschaften verzichteten und dass rund 40 % der Befragten auch nach dem Lockdown nicht unbedingt vorhaben, so schnell wieder auf den ÖPNV umzusteigen.

Verlierer?

Viele wollen weder den Zug nehmen, noch mit einer Metro fahren, so die VUB-Studie, die von der dortigen universitären Forschungsgruppe MOBI durchgeführt wurde, die sich konkret mit Mobilität im Allgemeinen beschäftigt. Doch auch von denen, die sehr wohl weiter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren wollen, geht jeder Vierte davon aus, so oft dann doch nicht mehr Busse und Bahnen zu nutzen.

Ein Vorteil wäre, wenn die ÖPNV-Kunden im Vorfeld einer Fahrt wissen könnten, wie der Besetzungsgrad des jeweiligen Verkehrsmittels ist. Die VUB-Studie kommt zu dem Schluss, dass die Verkehrsgesellschaften in Belgien - die belgische Bahn NMBS/SNCB, die Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB sowie die regionalen flämischen und wallonischen Gesellschaften De Lijn und TEC - dies in Zukunft anbieten sollten.

Gewinner?

Hat die Coronakrise nahverkehrstechnisch denn auch Gewinner? Ja, auf jeden Fall! Das sind in erster Linie die Fußgänger und die Radfahrer und hier konkret die E-Bike-Fahrer oder jene Zeitgenossen, die über ein Speed-Pedelec verfügen. Die Fahrradläden können sich seit dem Ende des Lockdowns auch für Fachgeschäfte in Belgien kaum noch vor Kunden und Bestellungen retten.

Nach VUB-Angaben wollen bis zu 13 % aller bisherigen Nutzer von Bussen und Bahnen zum beruflichen Pendeln in Zukunft auf das Rad umsteigen. Die ÖPNV-Anbieter müssen sich also etwas einfallen lassen, um solche Kunden und Ex-Fahrgäste wieder zurückzugewinnen. Vielleicht werden die Fahrgastzahlen der (Nah)Verkehrsgesellschaften in Belgien wieder besser, wenn im Herbst dieses Jahres der Unterricht in allen Bereichen wieder in vollem Umfang starten kann… Und dann darf es keine zweite Covid-19-Welle mehr geben! 

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