Kindesentführung in Genk: Mehrere Verdächtige sind radikale Islamisten

Die Meldungen zu einer glücklich zu Ende gegangenen Kindesentführung in Genk in der Provinz Limburg sorgten international für Schlagzeilen. Bewaffnete Gangster hatten einen 13 Jahre alten Jungen mit Gewalt aus dem Hause seiner Eltern entführt und 42 Tage lang festgehalten. Sie forderten Lösegeld. Zwei Punkte sind dabei pikant: Familienmitglieder des Kindes hatten Probleme mit der Justiz durch Drogenhandel und die meisten der Verdächtigen bei den Entführern werden radikal-islamistischen Kreisen zugeordnet.

Am Anfang war die Rede von einer Lösegeldforderung von 5 Mio. €, doch nach Angaben der Justiz wurden 330.000 € für die Freilassung des 13 Jahre alten Jungen gezahlt. Als der Junge in der Nacht zum Montag freigelassen wurde und nach Hause kam, schlug die Polizei zu und führte Razzien in mehreren Häusern und Wohnungen durch, bei denen sieben Verdächtige festgenommen wurden (siehe nebenstehenden Beitrag).

Inzwischen wird darüber spekuliert, weshalb der Junge entführt wurde. Ein Verdacht liegt nahe, dass es sich dabei um eine Abrechnung im Drogenmilieu handelt, denn der Vater und der Onkel des entführten Kindes waren in schwerem Drogenhandel verwickelt, bei denen die Polizei im Zuge der damaligen Ermittlungen horrende Bargeldsummen beschlagnahmte. Der Onkel des Kindes sitzt deswegen übrigens immer noch im Gefängnis. 

Sicher ist dieser Zusammenhang jedoch nicht. Es kann auch sein, dass die Täter davon ausgingen, dass es hier etwas zu holen gab. Doch diese verfolgten vielleicht ganz andere Ziele.

Der zweite Verdacht liegt bei islamistischen Terroristen, denen nicht entgangen war, dass die betroffene Familie früher mit Drogen handelte und nicht gerade zu den ärmsten Bürgern dieses Landes gehören, wie auch entsprechende Medienberichte zu den damaligen Ermittlungen und zu den Gerichtsverfahren verrieten. Die Eltern des entführten Kindes werfen dies den Medien übrigens seit Montag vor…

Sechs der sieben am Montag in den Provinzen Limburg und Antwerpen festgenommenen Verdächtigen werden islamistischen Kreisen zugeordnet und wurden dem Haftrichter vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete. Zu ihnen gehört Khalid Bouloudo (Foto unten), ein radikaler Moslem aus Maaseik (Prov. Limburg). Dieser war in der Finanzierung von islamistischem Terror aktiv und rekrutierte Jugendliche für die islamistische Terrorgruppe IS. 2006 wurde er wegen Terrorismus zu 5 Jahren Haft verurteilt, die er auch abgesessen hatte.

2015 wurde er wieder verhaftet, weil er erneut IS-Kämpfer rekrutierte. Danach wurde er zu 10 Jahren Haft verurteilt, doch in Berufung wurde diese Strafe auf 3 Jahre auf Bewährung gesenkt. Bouloudo war also auf freiem Fuß und konnte vermutlich neue Aktionen planen und auch Waffen dazu besorgen. Eigentlich werden Personen mit Link zur IS von den belgischen Geheimdiensten beobachtet.

Die Frage lautet hier, wie konnte Bouloudo unbemerkt an einer solchen Entführung teilnehmen? Eine andere Frage, die die Justiz beschäftigt ist die nach dem Motiv für diese Tat: Sollte mit dem Geld islamistischer Terror finanziert werden? Oder finanzierten sich die IS-Mitglieder auch über Drogenhandel und gerieten so in Konflikt mit der Familie des entführten Kindes in Limburg? 

Khalid Bouloudo (Archivfoto)

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