Yorick Jansens

Hafen von Antwerpen ist eine Drehscheibe für Handel mit verbotenen Pestiziden

Nach Rotterdam ist der Hafen von Antwerpen der zweitwichtigste Hafen für den Handel mit verbotenen Pestiziden. Das hat ein internationales Konsortium von Journalisten unter Leitung von Investigative Reporting Denmark ans Licht gebracht. Auf der belgischen Seite war das Nachrichtenmagazin Knack an der Recherche zum illegalen Pestizidenhandel beteiligt.

Zu den Einfallstoren gehören neben Rotterdam und Antwerpen auch die Häfen von Hamburg und Bremerhaven. Den Zollbehörden zufolge sind 80 Prozent der Pestizide, die über Antwerpen nach Europa kommen, für andere EU-Länder bestimmt. Daher gilt der Scheldehafen als internationale Drehscheibe sowohl für legale als auch illegale Unkrautvertilgungsmittel.

Ende April hatte das Nachrichtenmagazin Knack geschrieben, dass die Staatsanwaltschaft von Antwerpen Ermittlungen über den Import von illegalen Pestiziden eingeleitet habe. Diese Mitteilung wurde inzwischen von der Staatsanwaltschaft bestätigt. Auch die Ermittlungsbehörden im deutschen Bad Kreuzberg untersuchen die Einfuhr verbotener Unkrautvertilgungsmittel über den Hafen von Antwerpen.

AP2005

Unberechenbare Gefahr für Mensch und Umwelt

Experten zufolge werden mit Pestiziden in Europa (EU, Liechtenstein, Norwegen, Island und die Schweiz) jährlich rund  11 Milliarden Euro erwirtschaftet. 10 Prozent des Handels ist illegal. „In China kosten die Produkte 15 bis 20 Euro pro Liter, in Europa werden sie für 80 bis 100 Euro pro Liter verkauft. Zieht man die Transport- und Verpackungskosten ab,, bleiben 50 Euro pro Liter Reingewinn“, sagt Experte Rien van Diesen von Europol, der europäischen Polizeibehörde.

Da diese illegalen Produkte die Zulassungsverfahren und Kontrollen umgehen, weiß niemand, welche Gefahr sie tatsächlich für die Menschen und die Umwelt darstellen. Darüber hinaus entgehen den Behörden Steuern und den Fabrikanten von legalen Pestiziden Einnahmen.

In Belgien ist die Bundesbehörde für die Sicherheit der Nahrungsmittelkette für die Ermittlungen zuständig. Seit 2015 hat die Behörde im Antwerpener Hafen 20 illegale Sendungen mit Pestiziden abgefangen.