Nach Corona: "Strategisch wichtige Produkte sollten besser im eigenen Land hergestellt werden"

Flanderns Ministerpräsident Jan Jambon (N-VA - Foto) sagte am Mittwochabend in der VRT-Magazinsendung „Terzake“ („Zur Sache“), dass es noch zu früh sei, jetzt schon definitive Lektionen aus der Coronakrise zu ziehen. Doch müsse schon bald analysiert werden, welche strategische Waren und Güter besser im eigenen Land vorgehalten oder sogar produziert werden müssten. Jambon stellt sich diese Frage auch vor dem Hintergrund, dass eine durchgehende Versorgung mit Mundschutzmasken und anderem medizinischen Matetrial von offizieller Seite her in Belgien zeitweise nur schwerlich gewährleistet werden konnte.

Der Anfang der Corona-Epidemie in Belgien war geprägt von Versorgungengpässen bei Mundschutzmasken für das medizinische Personal und auch für jene Arbeitnehmer, die trotz Lockdown an vorderster Front standen, um die Bevölkerung weiter mit dem Nötigsten bzw. den nötigsten Dienstleistungen zu versorgen (Lebensmittelläden, Supermärkte, Müllentsorgung, öffentlicher Nahverkehr, Polizei und andere Not- und Hilfsdienste usw.).

Hinzu kamen Engpässe bei der Schutzkleidung für die Mitarbeiter im Gesundheitswesen und im Pflegebereich (hier ganz besonders in den Senioren- und Pflegeheimen). Das meiste hier erforderliche Material musste aus Asien besorgt werden und wurde auch dadurch teuer, dass sich im Zuge der Pandemie die ganze Welt damit an den internationalen Märkten versorgen musste. 

Was wir aus dieser Krise ableiten können - nicht nur für die Volksgesundheit, sondern für alle möglichen Bedrohungen - ist, dass wir nachschauen sollten, welche strategischen Produkte wir im eigenen Haus haben müssen.“

Flanderns Ministerpräsident Jan Jambon

Dem will Ministerpräsident Jambon schon jetzt vorbeugen, in dem er vorschlägt, eine Analyse zu erstellen, um zu wissen, welche strategisch wichtigen Produkte am besten vor Ort im eigenen Land hergestellt werden sollten, um eine Verfügbarkeit in gleich welchem (medizinischen) Notfall garantieren zu können: „Was wir aus dieser Krise ableiten können - nicht nur für die Volksgesundheit, sondern für alle möglichen Bedrohungen - ist, dass wir nachschauen sollten, welche strategischen Produkte wir im eigenen Haus haben müssen, wobei es nicht nur um die Produkte selbst geht, sondern auch um die Frage, ob wir auch den Produktionsprozess besser selbst im Land haben.“

Wir wurden mit einer Krise konfrontiert, die noch nie passiert ist. Ich denke schon, dass es nützlich ist, nachzuschauen, welche Lektionen wir hieraus ziehen können.“

Flanderns Ministerpräsident Jan Jambon

„Wir mussten feststellen, dass wir nicht nur die Mundmasken in China kaufen mussten, sondern auch, dass uns die Kapazität fehlt, diese hier herzustellen. Im dem Moment, in dem es eng wird, muss man sehr schnell umschalten können“, so MP Jambon weiter in „Terzake“, der weiter sagte: „Wir wurden mit einer Krise konfrontiert, die noch nie passiert ist. Ich denke schon, dass es nützlich ist, nachzuschauen, welche Lektionen wir hieraus ziehen können, damit die gleichen Fehler, wenn sie denn schon begangen wurden, nicht noch einmal auftreten.“

Da das Gesundheitswesen in Belgien föderalisiert ist, sprich Zuständigkeit der Länder und Regionen ist, will Jambon diesbezüglich auf flämischer Landesebene einen parlamentarischen Ad-hoc-Ausschuss einsetzen, bei dem es nicht darum gehen soll festzustellen, wer was und wann verbockt hat, sondern bei dem einfach die oben genannten Analysen auch auf Basis der begangenen Fehler durchgeführt werden sollten. Ein Untersuchungsausschuss ist in seinen Augen dabei nicht nötig. 

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