2020 Marc Gorremans(BE)

Im Zuge der Rassismus-Debatte müssen Denkmäler für König Leopold II. dran glauben

Nach dem Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd bei einer Polizeikontrolle in Minneapolis ist auch in Belgien eine Debatte zum Thema Rassismus ausgebrochen. Bei zahlreichen Demonstrationen und Aktionen bezeugten viele Landsleute ihre Solidarität mit den protestierenden Amerikanern. Diese Debatte nutzen jetzt auch die Aktivisten, die sich gegen die Erinnerung an König Leopold II. wehren, der durch den Umgang mit der Bevölkerung während der Kolonialzeit in Afrika ein besonders dunkles Kapitel der belgischen Geschichte geschrieben hat. In den letzten Tagen werden Denkmäler, die ihn darstellen, einmal beschmiert und zerstört.

In Ekeren, einem dörflichen Distrikt von Antwerpen, ist das in der Vergangenheit schon mehrmals mit Farbe beschmierte Denkmal für Leopold II. (Foto oben) vor einigen Tagen angezündet worden und dies war auch der Fall bei einigen anderen Denkmälern für den unrühmlichen Kolonial-Monarchen in Gent und in Hasselt der Fall war. Jetzt war auch wieder eine Skulptur in Ostende Ziel von Schmierereien, denn in der Nacht zum Freitag wurde diese einmal mehr mit roter Farbe beworfen.

In Ostende ist König Leopold II. ein schwieriges Thema. Die mondäne Kur- und Badestadt hat ein reichhaltiges architektonisches Kulturerbe aufzuweisen, doch weite Teile davon finanzierte dieser König aus seiner reichgefüllten Privatschatulle. Leopold II. war u.a. so reich, weil das afrikanische Land Kongo lange Zeit dessen Privatbesitz war. „Freistaat Kongo“ nannte sich das damals und der belgische Monarch ließ die Rohstoffe dort ohne Rücksicht auf (menschliche) Verluste plündern.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Foto burgemeester Tommelein

Wahrscheinlich verloren damals Millionen Kongolesen ihr Leben unter der brutalen Sklaverei. Im Jahr 1908 musste Leopold II. seinen kongolesischen Besitz nach schwerem internationalem Druck dem belgischen Staat überschreiben, nachdem die Grausamkeiten, die dort stattfanden, weltweit bekannt wurden. Danach wurde daraus „Belgisch-Kongo“.

Seit vielen Jahren wehrt sich eine Gruppe von Aktivisten unter dem Namen „Stoeten Ostendenaere“ (in Deutsch etwa „Sture Ostender“) gegen die Verehrung von König Leopold II. in Ostende. 2004 hatten Mitglieder dieser Gruppe dem König in dieser Skulptur eine Hand abgesägt und halten diese seit dem in ihrem Besitz als „Geisel“ fest. Unter der Schreckensherrschaft dieses Königs wurde zahllosen Kongolesen damals aus oft nichtigen Gründen eine Hand oder gar beide Hände verstümmelt oder abgesägt, um diese zu bestrafen (Foto ganz unten). 

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Doch auch inzwischen geschichtlich erklärende Tafeln, auf denen z.B. Touristen informiert werden, wer dieser König war und was er auf dem Kerbholz hatte, können die Gemüter nicht beruhigen, wie jetzt wieder deutlich wird. Inzwischen wurden alleine in Flandern 36.000 Unterschriften von Menschen gesammelt, die fordern, dass alle Standbilder, die diesen König zeigen, im ganzen Land entfernt werden müssen. Auch hier zeigen sich wieder spezifische Probleme in Ostende. Die oben genannte Skulptur steht seit 1981 unter Denkmalschutz. Damit ist nicht mehr der Stadtrat von Ostende dafür zuständig, sondern die flämische Denkmalschutzbehörde. 

Courtesy Everett Collection

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