Belgische Virologen reagieren zurückhaltend auf Urlaub im Ausland: Lockerungen kommen einen Monat zu früh

Die Virologen Marc Van Ranst und Erika Vlieghe werden ihren Urlaub wohl nicht im Ausland verbringen, auch wenn die meisten europäischen Länder ihre Grenzen für den Reiseverkehr am 15. Juni wieder öffnen. „Vielen Leuten wird die Reisemöglichkeit wie ein Freibrief erscheinen, um ihren Urlaub wie gewohnt zu verbringen“, befürchtet Vlieghe.

Seitdem feststeht, dass die meisten Länder ihre Grenzen nach dem Corona-Shutdown ab dem 15. Juni wieder öffnen, atmet die Tourismusbranche spürbar auf: Die Zahl der Ticketbuchungen bei den Fluggesellschaften steigt und die Hotels bereiten sich auf ihre Gäste vor.

„Es wäre besser gewesen, wenn die Grenzen noch einen Monat länger geschlossen gewesen wären“, sagte die Virologin Erika Vlieghe gegenüber der VRT. Vlieghe leitet die Expertengruppe, die die Behörden über die Exit-Strategie aus der Coronokrise.

Sie befürchtet, dass die Grenzöffnung als Freibrief für Massentourismus betrachtet wird. „Ich rate davon ab, mit dem Flugzeug zu reisen“, so die Expertin, die auch nicht nach Großbritannien oder Schweden fahren würde. (In Großbritannien waren am Freitag 1800 neue Corona-Infektionen registriert worden und in Schweden ist die Zahl der Infektionen in den letzten Tagen erneut stark angestiegen.)

Virologe Marc Van Ranst, der in der Pandemie das Mediengesicht der Corona-Maßnahmen war, findet es ebenfalls zu früh, um massenweise ins Flugzeug zu steigen, um den Urlaub in vollen Hotels zu verbringen und die Strände zu überlaufen.

Reisebranche setzt auf verschärfte Hygienevorschriften

Der Verband der flämischen Reiseagenturen weist dagegen auf die Sicherheitsvorschriften hin, die im Reisesektor gelten: Am Flughafen, sowohl vor dem Abflug als bei der Landung, wird die Körpertemperatur der Reisenden gemessen und auch im Flugzeug selbst gelten Hygiene- und Sicherheitsvorschriften.

Auf Brussels Airport stehen die beiden größten belgischen Fluggesellschaften, Brussels Airlines und TUI fly, in den Startlöchern.

Flughafen-Chef Arnaud Feist schätzt den Verlust der dreimonatigen Zwangspause auf rund 400 Millionen Euro.

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