Nicolas Maeterlinck

10.000 Menschen nehmen an der Black Lives Matter-Demonstration in Brüssel teil

In Brüssel findet eine Black Lives Matter-Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt statt. Nach Angaben der Polizei sind 10.000 Personen anwesend. Auch in Antwerpen, Ostende, Gent und Hasselt fanden heute Kundgebungen statt.

Eine Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt findet am Sonntagnachmittag auf dem Poelaert-Platz vor dem Justizpalast, dem Gerichtsgebäude in Brüssel statt. Nach Angaben der Polizei sind dort 10.000 Menschen. Die Organisatoren hatten im Vorfeld mit 5.000 Teilnehmern gerechnet.

"Der Mord an George Floyd in den USA hat offensichtlich viele Menschen wachgerüttelt", sagt Ange Kazi, Sprecherin des belgischen Netzwerks „Belgian Network for Black Lives (BNFBL)“, das zu der Demonstration aufgerufen hatte. "Viele Menschen sind die Polizeigewalt satt, die systematisch gegen Schwarze eingesetzt wird.“

An der Demonstration nehmen Menschen aller Altersgruppen, Geschlechter und Hautfarben teil. Viele von ihnen tragen Plakate mit der Aufschrift "Black Lives Matter", aber viele beziehen sich auch auf Menschen, die in Belgien Opfer von Polizeigewalt wurden oder bei Polizeieinsätzen ums Leben kamen. Der Name Semira Adamu taucht immer wieder auf, ebenso wie der des Kleinkindes Mawda und der Brüsseler Jugendlichen Mehdi und Adil, die bei hiesigen Polizeieinsätzen umkamen. Die Wortbeiträge beziehen sich auch öfters auf Vorfälle in Belgien.

Viele Menschen sind die Polizeigewalt satt, die systematisch gegen Schwarze eingesetzt wird

"Wir fordern Gerechtigkeit für jedes Opfer von Polizeigewalt in Belgien", so einige der  Demonstranten. "Für jeden Vorfall von Polizeigewalt muss unverzüglich ein Untersuchungsrichter ernannt werden, so dass das Opfer und seine Familie mit einem unabhängigen Ermittlungsverfahren rechnen können. Es darf auch nicht sein, dass die an dem Vorfall beteiligte Polizeizone die Ermittlungen selbst durchführt".

Die Polizei ist anwesend, um die Kundgebung diskret und vorsichtig im Auge zu behalten. Die überwiegende Mehrheit der Demonstranten trägt Mundmasken, aber wegen der hohen Teilnehmerzahl ist es fast unmöglich, die soziale Distanz zu respektieren.

Wasserwerfer

Die Demo endete um 16.30 Uhr. Danach leerte sich der Poelaertplatz allmählich.  Die Polizei war auf dem Koningsplein präsent. Aber auch dort waren die Emotionen groß und die Spannung zum schneiden. Mehrere hundert Demonstranten suchten die Konfrontation mit der Polizei und warf mit Flaschen und Pflastersteinen. Die Polizei musste den Wasserwerfer vorsichtshalber einsatzbereit machhen.

In der Einkaufsstraße Nieuwstraat geriet die Situation zeitweise außer Kontrolle und es kam zu vereinzelten Ausschreitungen. Unruhestifter legten im Matongeviertel Feuer, wie auf Fotos in den sozialen Medien zu sehen war. 

Nicolas Maeterlinck
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