Belgische Bahn kritisiert kostenlose Zehnerfahrkarten. Van Ranst warnt vor "überfüllten Zügen"

Die belgische Bahn NMBS/SNCB wusste im Vorfeld nichts von der gestrigen Entscheidung der Regierung, jedem Belgier eine kostenlose Zehnerfahrkarte für das ganze Streckennetz zu schenken. Das bemängelte Bahnchefin Sophie Dutordoir  (Foto) am Sonntagmittag auf Twitter. Sie wolle unter keinen Umständen die Sicherheit gefährden, an der die Bahn in den letzten Monaten intensiv gearbeitet hat, heißt es da. Auch der Virologe Marc Van Ranst findet - ebenfalls auf Twitter - dass "kostenlose Zugfahrkarten derzeit das Risiko einer Überfüllung der Züge“ zur Folge haben könnten.

Dutordoir begrüßt, dass die Regierung die Bahn als nachhaltiges Verkehrsmittel bei der Bevölkerung promoten will. Aber die Art und Weise, wie sie das tut, müsse doch in Frage gestellt werden. Gestern wurde bekannt, dass jeder Belgier einen so genannte Bahnpass von der NMBS/SNCB erhält, der insgesamt zehn kostenlos Bahnfahrten auf dem gesamten Streckennetz ermöglicht. Zuvor habe es hierüber aber keine Vereinbarung mit dem Verkehrsunternehmen selbst gegeben, stellte Bahnchefin Sophie Dutordoir klar.

"Die Bahn hat in den letzten Monaten sehr hart an der sanitären Sicherheit von Fahrgästen und Personal gearbeitet", heißt es. "Wir werden unter keinen Umständen zulassen, dass diese Sicherheit gefährdet wird." Dutordoir bittet um sofortige Beratung und alle notwendige Hilfe, um die Gefahr einer Überfüllung der Züge und Bahnsteige zu vermeiden.

Risiken

"Wenn Bahnpässe verteilt werden, dann werden die wahrscheinlich hauptsächlich in Richtung beliebter Touristenziele eingesetzt, wo man dann aber Gefahr läuft, dass bestimmte Bahnsteige und Zugverbindungen überfüllt sind", befürchtet Bahn-Sprecher Bart Crols im Interview mit VRT NWS. "Wir wollen dies dringend diskutieren. Die Regierung muss auch die Finanzierung dieser Bahnpässe und ihre Verteilung klären".

Natürlich steht die Sicherheit und der reibungslose Ablauf des Zugverkehrs immer im Vordergrund
Verkehrsminister François Bellot

Auch der Virologe Marc Van Ranst schrieb, bisher sei in der Coronakrise vor allem das Homeoffice gefördert worden, und dies unter anderem um "die öffentlichen Verkehrsmittel zu entlasten und damit sicherer zu machen". Auch laut Van Ranst besteht derzeit durch kostenlose Zugfahrkarten "die Gefahr einer Überfüllung der Züge". 

"Nicht notwendig"

Bundesverkehrsminister François Bellot (MR) teilte mit, er stehe selbst "in täglichem Kontakt" mit Sophie Dutordoir, "daher war es nicht nötig, zu twittern". Das Kabinett weist darauf hin, dass es sich hierbei um eine Vereinbarung zwischen den 10 Parteien handelt, die die aktuelle belgische Regierung mit Sondervollmachten zur Bewältigung der Coronakrise unterstützen. Es bleibe abzuwarten, wie dies konkret organisiert werden soll. "Natürlich steht die Sicherheit und der reibungslose Ablauf des Zugverkehrs immer im Vordergrund".

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