Child Focus: "Wir befürchten einen Höhepunkt bei internationalen Kindesentführungen"

Child Focus, die belgische Organisation für vermisste und missbrauchte Kinder befürchtet, dass die Zahl der Kinder, die von einem ihrer Elternteile entführt und ins Ausland verschleppt werden, in den kommenden Wochen deutlich ansteigen wird. Das berichtet die Sonntagszeitung "De Zondag".  Die Wiederöffnung der Grenzen ab dem 15. Juni könnte als Auslöser fungieren, nicht zuletzt, weil der Lockdown zu einer Zunahme der Spannungen und Konflikte innerhalb der Familien geführt hat.  

Seit dem 11. März sind alle nicht zwingend notwendigen Auslandsreisen verboten. Dies wird sich am 15. Juni ändern, wenn die Grenzen wieder geöffnet werden. Das hat zwar viele Vorteile und wird das Leben für viele von uns sehr erleichtern, könnte aber auch eine Kehrseite haben. Child Focus befürchtet, dass es zu einem Anstieg der Zahl der Eltern führen könnte, die ihre Kinder ohne die Zustimmung ihres (Ex-)Partners außer Landes bringen?

Hilde Demarré von Child Focus sagte 'De Zondag', dass "während der Coronakrise die Zahl der Kindesentführungen um die Hälfte zurückgegangen ist. Das ist nicht überraschend, da die geschlossenen Grenzen zur Folge hatten, dass es viel schwieriger war, sein Kind mit ins Ausland zu nehmen". 

Internationale Kindesentführungen

"Man hört überall, dass die Zahl der Paare, die sich trennen, nach dem Lockdown wahrscheinlich steigen wird. Dies wird sich auch auf die Zahl der internationalen Kindesentführungen auswirken", fügte sie hinzu.

Eltern, die mit ihren Kindern das Land verlassen, tun dies oft, weil sie nach einer Scheidung umziehen oder weil sie zu ihrer Familie zurückkehren wollen. Aber sie sind sich oft nicht bewusst, dass es sich bei dem, was sie tun, tatsächlich um internationale Kindesentführungen handelt.

 "Sie dürfen das Land mit Ihren Kindern nicht verlassen, es sei denn, sie haben die Erlaubnis des anderen Elternteils. Es ist wichtig, dass im Voraus Vereinbarungen getroffen werden.“

2019 wurden bei Child Focus 487 Fälle mit 905 Kindern gemeldet. Das ist eine Zunahme um 50 Prozent gegenüber 2018.

Auch während des Corona-Lockdowns, vom 13. März bis 7. Mai, erhielt Child Focus neue Meldungen von Kindesentführungen, aber die Organisation fürchtet vor allem die kommenden Wochen.

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