Nach Krawallen in Brüssel: Anti-Rassismus-Demonstrationen in Brügge und Leuven untersagt. Doch Scharmützel in Leuven  

In der Uni-Stadt Leuven (dt.: Löwen) und in Brügge soll(t)en die angekündigten Kundgebungen gegen Rassismus und Polizeigewalt nicht stattfinden. Die Demo in Leuven war für Montagabend geplant, aber Bürgermeister Mohamed Ridouani (SP.A.) erteilte keine Genehmigung, da Demonstrationen während der Coronakrise immer noch verboten sind.  In der Stadt kam es am Abend trotzdem zu kleineren Scharmützel mit der Polizei. Der Stadtrat und die Polizei von Brügge unterstützten die Demo-Initiative erst und hatten die Genehmigung für die Demonstration am morgigen Dienstag bereits erteilt, aber die wird nach den Brüsseler Ausschreitungen vom Sonntag wieder eingezogen.

Sonntag fanden in mehreren belgischen Städten Demonstrationen mit dem Slogan "Black Lives matter" statt, unter anderem in Antwerpen, Gent und Brüssel. Aber dort gerieten die Dinge wegen einer begrenzten Gruppe von Randalierern außer Kontrolle.

Die sozialen Medien riefen für Montagabend um 17 Uhr zu einer Demo am Martelarenplatz, vor dem Bahnhofsgebäude, in Leuven auf. Nach Angaben der Polizei wurde aber kein offizieller Antrag für die Demonstration gestellt, und sowieso sind Demonstrationen wegen der Coronakrise weiterhin verboten. Der Bürgermeister von Löwen, Mohamed Ridouani (SP.A.), erklärte ebenfalls, dass, obwohl ihm dieses Thema sehr wichtig sei, Massenkundgebungen derzeit nicht erlaubt seien.

"Der Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung ist wichtig", sagte Ridouani. "Es ist etwas, das uns alle angeht und bei dem wir nur dann Veränderungen erreichen können, wenn wir alle gemeinsam dafür eintreten. Wir befinden uns jedoch immer noch wegen Corona in der Gefahrenzone. Das Virus ist nicht verschwunden, und wir müssen unbedingt ein Wiederaufflackern vermeiden, das all unsere Bemühungen der letzten Monate zunichtemachen würde. Ein Treffen mit so vielen Menschen ist unverantwortlich". 

Trotz Demoverbot kam es in Leuven zu kleineren Ausschreitungen

Obwohl einige der Anwesenden die trotz Kundgebungsverbot doch erschienenen Demonstranten aufforderten, nach Hause zurückzukehren, weil die Demonstration gegen Rassismus nicht genehmigt worden war und es keine organisatorischen Vorkehrungen gab, um Ausschreitungen und die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, zogen einige Menschen über die Diestse-Straße in die Stadt.

Dabei kam es zu vereinzelten Scharmützeln mit der Polizei. Dies bestätigte der Polizeisprecher von Leuven, Nicolas Del Piero. Nur eine Person wurde verhaftet. "Es wurden Gegenstände geworfen und Mülltonnen umgestoßen, weshalb wir eingriffen und einige Demonstranten kurzzeitig festnahmen", sagte Del Piero. Im Moment ist noch unklar, wie groß der Schaden ist. Nach Angaben des Polizeisprechers hielt sich dieser aber in Grenzen.

Einige Teilnehmer wollen am Sonntagnachmittag um 15 Uhr vom Ladeuzeplein aus erneut demonstrieren und diesmal einen entsprechenden Antrag stellen. Fraglich ist, ob die Stadt die Genehmigung für diese Demonstration erteilen wird. 

Auch in Brügge verboten

Die Demonstration in Brügge war für morgen auf dem Zand im Herzen von Brügge geplant. Der Stadtrat und die Polizei standen hinter der Initiative und hatten die Erlaubnis erteilt, aber sie haben es sich nach den gestrigen Unruhen in Brüssel anders entschieden. Es besteht der Verdacht, dass Randalierer aus Brüssel nach Brügge reisen könnten.

In Absprache mit den Organisatoren haben wir beschlossen, die Aktion abzusagen, aber wir suchen nach einer Alternative
Bürgermeister De fauw

Bürgermeister De fauw (CD&V) von Brügge bedauert sehr, dass die Kundgebung nicht stattfinden kann. Er plante, zusammen mit dem Polizeichef selbst vor Ort zu sein, aber sie wollten kein Risiko eingehen: "Einige Leute wollten die Demonstration ausnutzen, um Polizeigewalt zu provozieren. Dies kann nicht Sinn einer Demonstration sein, die auf die Bekämpfung von Gewalt abzielt. In Absprache mit den Organisatoren haben wir beschlossen, die Aktion abzusagen, aber wir suchen nach einer Alternative".

Die Organisatoren werden morgen vom Bürgermeister im Rathaus empfangen. "Wir wollen auf ihrer Seite sein und sie im Rathaus empfangen. Wir werden sehen, was in Brügge in Zukunft noch organisiert werden kann".