Urlaub im eigenen Land? Der Sommer 2020 in Flandern

Der flämische Fremdenverkehrsverband Toerisme Vlaanderen setzt in diesem Jahr bzw. in diesem Sommer durch die Corona-Epidemie auf Urlaub im eigenen Land. Die damit zusammenhängenden Konzepte richten sich zwar in erster Linie an die Flamen selbst, spricht aber auch die Menschen aus den anderen Landesteilen und aus den Nachbarländern an. Da weite(s) Reisen durch Covid-19 gerade nicht empfehlenswert ist, sei es doch keine schlechte Idee, die eigene Gegend man genauer zu erforschen, so der Tourismusverband.

Toerisme Vlaanderen empfiehlt vor allem eines, bevor man sich im eigenen Land oder aus Richtung Nachbarland in oder nach Flandern auf dem Weg macht: Nicht zu viel mitnehmen und alles unnötige über Bord werfen. Mitnehmen sollte man aber auf jeden Fall drei Dinge: Mundschutzmaske, Handgel und die App „YouFlanders“, die man auf der Webseite dezomervan2020.be downloaden kann. Ansonsten sollte man sich von den lokalen Gegebenheiten inspirieren lassen und mit allem nötigen versuchen, diesen Sommer zu genießen, so die Empfehlung.

Diese Initiative des Fremdenverkehrsverbandes des belgischen Bundeslandes Flandern verfolgt nicht nur das primäre Ziel, Ferien in der eigenen Gegend oder im eigenen Land zu empfehlen. Ein weiteres Ziel ist, auch die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Flandern rät dazu, z.B. Kurztrips, Museumsbesuche, Ferien mit Übernachtung oder ähnliches am besten über lokale oder regionale Webseiten zu buchen.

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Brügge
Jurjen Drenth

Regionale oder lokale Wirtschaft unterstützen

Jeder „Schalter“ in der Region oder in der eigenen Umgebung sollte die Möglichkeit haben, etwas zu verdienen, denn durch Corona mussten viele Aktoren aus allen Bereichen z.B. in der Gastronomie ohne Einnahmen und nur mit den Überbrückungsgeldern des Landes oder des belgischen Staates auskommen. Jetzt sollen sie an der Reihe sein, so die Ansicht aller Beteiligten.

Interessant ist dabei zu sehen, dass nicht wenige Flamen oder andere Landsleute aus Belgien ohnehin derzeit einen Urlaub im eigenen Land planen. Die Thomas More-Hochschule hat im Rahmen einer Umfrage herausgefunden, dass 28 % aller Belgier bewusst ein Reiseziel in der eigenen Heimat wählen oder bereits gewählt haben, eben um auch die eigene Volkswirtschaft zu unterstützen.

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Wandern und Radfahren in der Provinz Limburg

Kurze Wege

Danny Van Assche, CEO des Wirtschafts- und Einzelhandelsverbandes UNIZO, hat für die potentiellen Urlauber im eigenen Land aus Sicher der Ökonomie ebenfalls eine Empfehlung: „Setzen Sie bitte auf kurze Wege. Lokal investieren wirkt sich auch günstig auf das Klima aus, denn je kürzer die Wege, desto geringer die Transportwege. Auf wirtschaftlicher Ebene kommt uns das allen zu Gute: Man sorgt für Beschäftigung auf lokaler Ebene, unterstützt das lokale Unternehmertum und auch die Eigenheit der Region, in die man reist.“ 

Je kürzer die Wege, desto geringer die Transportwege. Auf wirtschaftlicher Ebene kommt uns das allen zu Gute: Man sorgt für Beschäftigung auf lokaler Ebene, unterstützt das lokale Unternehmertum und auch die Eigenheit der Region, in die man reist.“ 

Danny Van Assche (UNIZO)

In nächster Zukunft ist diese Sichtweise wohl nicht zu unterschätzen, denn die verschiedensten Interessenverbände gehen davon aus, dass die lokale Wirtschaft ihre so erzielten Gewinne auch wieder lokal oder regional investieren. Van Assche denkt hier sehr klein für einen Manager eines Wirtschaftsverbandes: „Dorfkerne florieren, wenn die kleinen Geschäfte wieder drehen und lokale Betriebe sorgen für Authentizität.“ Solche könnten mit den ausländischen Preisen vielleicht nicht konkurrieren, doch sie hätten die Möglichkeit, auf anderen Ebenen zu punkten: „Dienstleistung, Kreativität, Begleitung, Erfahrung und persönlicher Service.“ 

Mehrwert

Studien haben ergeben, dass viele Touristen und Gäste aus dem In- und Ausland gerade lokale Authentizität und „Echtheit“ als einen Mehrwert im Rahmen ihrer Reise erfahren. Axel Smits vom Wirtschafts-Beratungsbüro PWC sieht dies ähnlich und plädiert ebenfalls für mehr Aufmerksamkeit in dieser Hinsicht, nicht zuletzt auch in Sachen Qualität und Nachhaltigkeit: „Wenn die Leute nach Belgien kommen, dann suchen sie diese regionalen Alleinstellungsmerkmale.“

In der jüngsten Vergangenheit entwickelte sich in allen Landesteilen Belgiens eine gewisse Welle von Solidarität durch die Coronakrise und die Verbraucher geben sich immer mehr Mühe, lokal zu shoppen, zu konsumieren. Inzwischen bündeln auch die lokalen Ökonomien ihre Kräfte, um auf diese Entwicklung einzugehen. Genau dies will Flandern auch auf touristischer Ebene nutzen.

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Lissewege, ein pittoreskes Dorf zwischen Brügge und Zeebrügge

Mehrere Bereiche

In seiner Werbung für die Ferien der kurzen Wege geht der flämische Fremdenverkehrsverband Toerisme Vlaanderen auf mehrere verschiedene Bereiche ein, die sich rasch zusammenfassen: Radfahren z.B. in den Flämischen Ardennen oder in der Provinz Limburg; ein Sommer in Brüssel; die Naturparks- und Landschaften in ganz Flandern, die fünf Kunststädte Antwerpen, Brügge, Gent, Löwen und Mechelen (Kunst im eigenen Land), Street Art in Flandern und nicht zuletzt Flandern als Bierparadies.

Aber, Flandern geht auch fremd und empfiehlt über die Webseite walloniebelgietoerisme.be auch Wanderungen durch 31 pittoreske Dörfer im französischsprachigen Landesteil und durch das Hohe Venn im deutschsprachigen Ostbelgien. Vieles ist über die Webseiten vlaanderenvakantieland.be, museumpassmusees.be, oder buitengewoon.natuurenbos.be zu entdecken. Urlaub in Belgien? Es lohnt sich! 

Dinant in der Wallonie

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