"Alles, was nicht verboten ist, ist erlaubt" - Auch die Sexarbeiter(innen) dürfen wieder arbeiten

Mit ihrer Aussage, „Alles, was nicht verboten ist, ist erlaubt“, sorgte Belgiens Premierministerin Sophie Wilmès (MR) zum einen für ein Schmunzeln, doch zum anderen wurde damit einiges möglich, woran noch vor Tagen niemand wagte, zu denken. Da das Thema Prostitution nirgendwo noch im Rahmen der verbotenen Tätigkeiten genannt wird, geht der Sektorverband Utsopi davon aus, dass die Sexarbeiter wieder an ihre Arbeit gehen können.

Nach Ansicht von Wendy Gabriëls von Unterstützungspunkt für Prostituierte „Violett“, bleiben die Sexarbeiter(innen) allerdings bisher eher zurückhaltend: „Natürlich haben sehr viele Sexarbeiter Angst vor dem Risiko, sich anzustecken. Andererseits aber hören wir aber auch, dass viele erleichtert sind, denn wirtschaftlich geht es vielen sehr schlecht.“ Die meisten haben sich nicht mit Überbrückungszahlungen über Wasser halten können, da sie kein Anrecht darauf hatten. Nicht wenige unter den Prostituierten hatten seit Mitte März überhaupt kein Einkommen mehr.

Wie die Städte und Gemeinden damit umgehen, bleibt ihnen selbst überlassen. Im Brüsseler Stadtteil Sint-Joost-ten-Node z.B. soll Prostitution weiter verboten bleiben. In Antwerpen sollen die Sexarbeiter(innen) ab dem kommenden Montag, Stichtag 15. Juni wieder ihrer Tätigkeit folgen dürfen. Wenn dann die Grenzen in der EU wieder öffnen, werden wohl auch die Prostituierten aus Osteuropa, die hier in Belgien tätig sind, nach und nach wieder zurückkommen.

Die Dienstleistungen der Prostituierten sind allerdings nur unter einigen strengen Maßnahmen zugelassen. Kunden und Sexarbeiter(innen) mit Covid-19-Symptomen sind nicht zugelassen, doch systematische Tests sind nicht notwendig. Türklinken und alle anderen Flächen, die mit Händen berührt werden, müssen systematisch abgewaschen werden. Freier und Prostituierte müssen sich vorher und nachher die Hände und das Gesicht waschen und die Kunden müssen sich die Hände auch desinfizieren. Küssen ist nicht zugelassen und es müssen Mundschutzmasken getragen werden. Alle Decken und Bettbezüge müssen Wegwerfartikel sein, die danach sofort entsorgt werden müssen.