"Vorbereitungen auf eine zweite Welle nicht aus dem Auge verlieren!"

Wenn sich die belgische Bundesregierung und der Nationale Sicherheitsrat mit den Coronamaßnahmen beschäftigt, beruft man sich unter anderem auf die Erkenntnisse der sogenannten „GEES-Arbeitsgruppe“. Diese Expertengruppe zur Exit-Strategie aus der Coronakrise ist aus Medizinern und Juristen sowie aus Vertretern der Wirtschaft und der sozialen Ebene zusammengesetzt. Bei aller Aktualität und bei allen sinkenden Covid-19-Statisiken bleibt die „GEES-Gruppe“ auf der Hut, auch in Hinsicht einer möglichen zweiten Coronawelle. Aus Regierungskreisen verlautet dazu, dass man sich auf diese zweite Welle schon vorbereite.

Aus dem aktuellen Bericht der „GEES-Arbeitsgruppe“ ist ersichtlich, dass Belgien nicht unbedingt auf eine mögliche zweite Welle des Coronabvirus vorbereitet ist. Die Experten machen sich etwas Sorgen, wie die Epidemiologin Prof. Erika Vlieghe (Foto), die Vorsitzende dieses Gremiums bemerkt: „Wir wollen in einem klaren Statement deutlich machen, dass wir nichts auf die lange Bank schieben sollten.“

Die erste Strategie zur Verteidigung gegen das Virus war das Testen und das Kontaktverfolgen, das sogenannte „contact tracing“, doch das entsprechende Verfahren leide noch unter Kinderkrankheiten, so Prof. Vlieghe gegenüber VRT NWS: „Wir haben Verständnis dafür, dass die Ausarbeitung nicht einfach ist, doch es muss eine deutliche Strategie zu sehen sein und ein permanentes Bewusstsein dessen, dass das sehr wichtig ist.“

Der nächste Schritt nach dem Testen und der Kontaktverfolgung sei dass, was man angesichts einer neuen Anhäufung von Fällen tun müsse: „Jemand muss das im Auge behalten und wenn es wieder viele Fälle gibt, brauchen wir wieder mehr Leute. Diese Leute müssen auf lokalerer Ebene die Augen und Ohren unserer Gesundheitsinspektoren sein. Ich bin in der letzten Zeit ein bisschen zu einem ‚Minister-Aufbringer‘ geworden. Es ist ja nicht so, dass nichts passiert, doch wir wollen dem Ganzen doch einen gewissen ‚sense of urgency‘ verleihen.“

Dies sei etwas, so Vlieghe, dass man nicht vergessen dürfe und dazu müssen Tag für Tag und Woche für Woche Entscheidungen getroffen werden.“ 

Die Regierung bereitet sich auf eine zweite Welle vor

Bundesminister Philippe De Backer (Open VLD - Foto unten), Leiter der Corona-Task Force der belgischen Regierung, sagte am Dienstagabend gegenüber VRT-Sendung „De afsprak“ („Die Verabredung“), dass sich die Regierung sehr wohl auf eine zweite Welle des Virus vorbereitet, auch wenn Kritiker das Gegenteil behaupten und auch wenn sich die Virologen und die Mitglieder der „GEES-Gruppe“ dahingehend Sorgen machen.

De Backer sagte dazu, dass die Vorbereitungen laufen würden: „Jetzt, da wir in einer Periode angekommen sind, in der wir etwas weniger Ansteckungen haben, glaube ich, ist der Moment gekommen, dass wir eine Analyse machen. Doch wir müssen gleichzeitig die Vorbereitung gut angehen.“

Er sei ein sehr ruhiger und optimistischer Mann, so De Backer, doch „wir befinden uns in einem sehr komplexen Land und das erfordert meiner Ansicht nach zu viel Abstimmung. In einer Krisenlage muss man schnell Beschlüsse treffen. Man muss deutlich absprechen, wer was und wann macht.“ Hiermit spricht der flämische Liberale die zahlreichen Entscheidungsniveaus in Bund, Ländern und Regionen in Belgien an. 

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