Belga

Swissport-Konkurs - 1.500 Jobs weg: Die Luftfahrt in Belgien steht weiter unter (sozialem) Druck 

Konkurse und Umstrukturierungen nicht zuletzt durch die Coronakrise fügen der Luftfahrt in Belgien schweren Schaden zu. Einfach wird das Ganze nicht. Gepäckabfertiger Swissport am Brussels Airport ist inzwischen offiziell in Konkurs und muss mit sortoger Wirkung seine Aktivitäten beenden. 1.500 Beschäftigte erhalten ihre Kündigung. Bei Brussels Airlines sind die Sozialverhandlungen ins Stocken geraten.

Konkurse und Umstrukturierungen nicht zuletzt durch die Coronakrise fügen der Luftfahrt in Belgien schweren Schaden zu. Einfach wird das Ganze nicht. Gepäckabfertiger Swissport am Brussels Airport ist inzwischen offiziell in Konkurs und wird seine Aktivitäten sofort beenden müssen. Bei Brussels Airlines sind die Sozialverhandlungen ins Stocken geraten und es wird eine Schlichtung geben.

Das Handelsgericht in Brüssel hat den Konkurs der belgischen Filiale des Gepäckabfertigers Swissport mittlerweile offiziell erklärt und drei Konkursverwalter angestellt. Diese haben mittlerweile die Gewerkschaften getroffen und dort angekündigt, dass das Unternehmen seine Aktivitäten beenden muss. Es bestehe keine Aussicht auf einen Kandidaten, der den belgischen Teil von Swissport übernehmen soll. Alle 1.500 Beschäftigten erhalten jetzt ihre Kündigung.

Das betrifft auch per direkt die Aktivitäten am Brussels Airport in den kommenden Tagen, denn am Montag, den 15. Juni, wird der Brüsseler Nationalflughafen in Zaventem wieder geöffnet und dabei braucht es eine vernünftig laufende Gepäckabfertigung. Gespräche zwischen Brussels Airport und den Swissair-Gewerkschaften seien positiv verlaufen, hieß es dazu, doch seit Mittwochnachmittag sieht die Lage völlig anders aus.

Damit bleibt nur noch Swissair-Konkurrent Aviapartner am Flughafen in Zaventem übrig. Laut Gesetz müssen in Zaventem aber mindestens zwei Gepäckabfertiger aktiv sein. Die Gewerkschaften bei Swissport zählen jetzt auf die Politik und auch die Flughafenverwaltung fordert eine politische Lösung für dieses kurzfristige aber dramatische Problem. Dieser Bereich ist ein Schüsselbereich für einen Flughafen… 

Sozialverhandlungen bei Brussels Airlines ins Stocken geraten

Inzwischen sind die Sozialverhandlungen bei Brussels Airlines ins Stocken geraten. Streitpunkt ist derzeit die Höhe des von den Piloten der Lufthansa-Tochter angebotenen Gehaltsverzichts zur Rettung von Arbeitsplätzen in den BA-Cockpits. Offenbar können sich die Pilotengewerkschaft und das Management von Brussels Airlines nicht auf einen Konsens einigen.

Die BA-Piloten haben auf Eigeninitiative vorgeschlagen, für die Dauer von drei Jahren auf 45 % ihres Gehalts zu verzichten, doch die Fluggesellschaft verlangt, dass die Piloten in höherem Maße zur geplanten Kostensenkung beitragen. Jetzt wurde ein Schlichter angerufen, um den Konflikt zu lösen.

Bei Brussels Airlines waren zunächst rund 1.000 Arbeitsplätze bedroht, doch diese Zahl soll auf 370 Streichungen beschränkt bleiben. Die 100%ige Lufthansatochter soll auf Dauer 10 Flugzeuge stilllegen und auf 22 Flugziele verzichten.

Wie sieht es andernorts aus?

Auch der Reiseveranstalter TUI, der ebenfalls über eine eigene Flugzeugflotte verfügt und der ebenfalls in Belgien aktiv ist, plant international einen Stellenabbau. Für Belgien liegen aber noch keine Zahlen vor.

Bei Ryanair in Belgien sollen etwa 30 Jobs beim Kabinenpersonal wegfallen. Laut Gewerkschaften würden sich gleichzeitig 40 Mitarbeiter dafür entscheiden, die Airlines auf freiwilliger Basis zu verlassen. Der irische Billigflieger plant europaweit bis zu 3.000 Entlassungen.

Am Antwerpener Regionalflughafen in Deurne geht man trotz Verlusten durch Corona davon aus, dass dieser Standort schneller wieder aufleben kann, als die anderen größeren Flughäfen. Beim Antwerp Airport herrscht offenbar Zuversicht und Optimismus.

Am Charleroi Airport (genauer Brussels South Charleroi Airport) in der wallonischen Provinz Hennegau bereiten sich die Charter- und Billigfluglinien wieder auf ihre Neustarts vor. Hier werden ab dem 15. Juni nach und nach Ryanair, Wizz Air und Air Corsica wieder aktiv.

Zu den Gewinnern der Coronakrise in Belgien gehört der Lütticher Regionalflughafen Liège Airport in Bierset. Hier hat man sich neben Charter- und Kurzstreckenflügen voll und ganz auf den Cargobereich konzentriert und der chinesische Internetgigant Alibaba unterhält  dort eine wichtige logistische Filiale für das eigene europäische Netz. Daneben hat die Weltgesundheitsorganisation WHO diesen Standort zu seiner Drehscheibe für den Transport und die Verteilung von medizinischem Material bestimmt. 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten