Lander Gyselinck mit "BeradGeslagen" bei Pukkelpop 2019
Andreas Kockartz

Zur Doktorarbeit des Schlagzeugers Lander Gyselinck gehört eine Plattenaufnahme

Lander Gyselinck (32 - Foto) gehört zum Kreis der Jazzmusiker in Flandern, die seit einigen Jahren die Szene aufmischen und den Jazz gehörig entstauben. Mit seinen Bands STUFF. und BeradGeslagen und auch als Schlagzeuger heimste er bereits mehrere Preise ein. Jetzt brachte er „Disleksikon“ heraus, eine Soloplatte, die Teil seiner Doktorarbeit ist.

Lander Gyselinck und seine beiden Bandprojekte BeradGeslagen und STUFF. machen auf eine Art und Weise Jazzmusik, die man am besten live auf der Bühne erlebt. Und Gyselinck selbst sieht man das auch an, wenn er Konzerte gibt. Doch die EP „Disleksikon“ wird  wohl nicht in Konzertform zu erleben sein, sondern diese Musik erscheint nur auf Platte.

„Disleksikon“ gehört zu seiner Doktorarbeit an der Kunsthochschule KASK in Gent. Promovieren wird der Drummer allerdings an der Genter Universität (UGent), die dieses Projekt angenommen hat. Diese Doktorarbeit erschien unter dem Titel „Hihats in Trees“ und untersuchte, wie live gespieltes Schlagzeug mit elektronischer Dance- und HipHop-Musik vereinbar ist.

Für den eigentlichen Jazz-Drummer Gyselinck ist dies ein ganz besonderer Prozess, wie er gegenüber der Kulturredaktion der flämischen Tageszeitung De Morgen angab: „Mein Geschmack hat sich durch zeitgenössische Musik, elektronische Dancemusik und HipHop entwickelt. (…) Das hat mein Vokabular als Drummer weitergebracht, von Jazz zu produzierter Musik, die nicht unbedingt live gespielt wird. Das Repetitive von Drumcomputern ist nicht unbedingt vereinbar mit den menschlichen Möglichkeiten oder dem Organischen von Improvisation am Schlagzeug.“

Er versuchte herauszufinden, wie man diese beiden Richtungen „mit einander versöhnen kann." Eine Antwort auf die Frage, wie man dies schaffen könne, fand und suchte Lander Gyseninck nicht: „Sonst braucht man keine Musik mehr zu machen…“

Spannend war dabei für den flämischen Jazzschlagzeuger die Frage, ob dies denn letztendlich auch eine echte musikalische Erfahrung gewesen sei: „Ist das Musik, die im Moment selbst gemacht wird? Das war für mich stets das Wichtigste. Als Instrumentalisten im Jazz denken wir ausschließlich von unserem Instrument ausgehend. Doch über das Experimentieren mit Aufnahmen hat sich meine Sichtweise verändert. Eigentlich wird das ‚Produzieren‘ genannt, doch ich nenne das ‚Bauen‘ als Architekt für Musik. Und dies mit dem gleichen Material, denn ‚Disleksikon‘ bleibt eine Schlagzeugplatte.“

Nach der Veröffentlichung dieser EP stehen jetzt die nächsten Projekte im Rahmen seiner Promovierung an. In zwei Jahren muss er seine Doktorarbeit verteidigen. Inzwischen macht sich Gyselinck Sorgen darüber, dass er keinen Jazz mehr spielt - auch durch das Lahmlegen der Kultur- und Konzertszene durch die Coronamaßnahmen, doch „Jazz liegt mir im Blut“.

„Disleksikon“ ist beim Label buteo buteo erschienen. 

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