Die Rassismus-Debatte in Belgien nimmt König Leopold II. ins Visier

Nach dem gewaltsamen Tod des farbigen Amerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Mineapolis vor einigen Tagen und den weltweiten Protesten der „Black Lives Matters“-Bewegung ist überall eine Rassismus-Debatte ausgelöst worden. Inzwischen geraten hier auch die Zeit der Kolonien und der Sklaverei in den Fokus der Kritik. In Belgien konzentriert sich diese Debatte auf König Leopold II. und die belgische Kolonialzeit. Inzwischen werden die Stimmen immer lauter, die dessen Standbilder und Statuen aus der Öffentlichkeit entfernen wollen.

Im Zuge der „Black Lives Matter“-Proteste in Belgien in den vergangenen Tagen ist der belgische Kolonial-König Leopold II. ins Visier der Kritik geraten. Überall im Land wurden Denkmaler und Standbilder, die ihn darstellen, mit Farbe beworfen, mit Graffiti verziert oder gar beschädigt. In gleich mehreren Petitionen wird gefordert, dass diese Statuen abgebrochen werden sollen und dass z.B. Gemälde und Büsten, die ihn zeigen, aus öffentlichen Gebäuden entfernt werden müssen (Behörden, Amtsstuben, Rathäuser, Schulen usw.).

König Leopold II. war am Anfang der Kolonialzeit der Besitzer der späteren belgischen Kolonien Kongo, Burundi und Ruanda. Er ließ dort die Rohstoffe abbauen und wurde steinreich damit, was sich unter anderem in der mondänen Küstenstadt Ostende zeigt, wo er für zahlreiche Prachtbauten sorgte. Finanziert wurde dies quasi mit Blutgeld, denn die Bevölkerung dieser afrikanischen Länder wurde brutal ausgebeutet verbunden mit unvorstellbarer Grausamkeit und wahrscheinlich Millionen Todesopfern, Misshandelten und Verstümmelten. Leopold II. allerdings hatte „seine Kolonie“, den sogenannten „Freistaat Kongo“, nie selbst besucht…

Die meisten Denkmäler, die den umstrittenen belgischen Monarchen zeigen, sind de facto im Besitz der jeweiligen Städte und Gemeinden und diese müssen darüber urteilen, ob sie abgebaut werden müssen oder wie man damit umgehen soll. Einige Städte, wie z.B. Ostende, wollen die Standbilder stehen lassen, aber historisch in ihren Kontext setzen. In Antwerpen wird eine beschädigte Leopold II.-Statue restauriert aber nicht mehr auf einem öffentlichen Platz aufgestellt. Auch andere Kommunen bauen wohl bald dessen Denkmäler ab, um sie aus dem öffentlichen Raum zu entfernen. Denkmalgeschützte Leopold II.-Standbilder allerdings fallen unter die Verwaltung der Länder und Regionen, sprich Flanderns, der Wallonie oder der Region Brüssel-Hauptstadt.

In den Universitäten von Löwen (Flämisch-Brabant) oder Mons (Hennegau) werden Gemälde und Büsten aus den historischen Gebäuden entfernt, wozu Studierende, Dozenten und Professoren mit Unterschriftenaktionen aufgerufen hatten. Überall bilden sich Arbeitsgruppen, die über den Umgang mit diesem König und seiner Zeit befinden sollen.

Immer deutlicher wird, dass die unrühmliche belgische Kolonialgeschichte deutlicher auch in den Unterricht in den Schulen Beachtung finden sollte. Sowohl in Flandern, als auch im frankophonen Belgien soll die Kolonialzeit in die Unterrichtspläne einfließen und zum festen Bestandteil werden. Vor einiger Zeit hat das AfrikaMuseum in Tervuren bei Brüssel, das frühere „Museum von Belgisch-Kongo“, im Zuge einer Renovierung und einer Neuausrichtung vorgemacht, wie man mit diesem dunkelsten Kapitel der belgischen Geschichte auch umgehen kann. 

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