Leopold II.-Büste im AfrikaMuseum in Tervueren
Frank Abbeloos

Im Zuge der Rassismus-Debatte steht auch Belgiens Kolonialgeschichte auf der Tagesordnung

Noch immer werden Tag für Tag seit der „Black Lives Matters“-Demo in Belgien Büsten, Statuen und Denkmäler beschädigt, die an König Leopold II. erinnern. Damit ist die Debatte über diesen belgischen Monarchen ebenso entbrannt, wie über die Kolonialgeschichte unseres Landes im Allgemeinen. Schon steht die Frage zu einer Entschuldigung von Seiten unseres Landes an die ehemaligen Kolonialländer Kongo, Burundi und Ruanda im Raum. Währenddessen verteidigt Prinz Laurent, der Bruder von König Philippe, seinen Vorfahren…

Joachim Coens, der Vorsitzende der flämischen Christdemokraten CD&V, sagte am Donnerstagabend in der VRT-Magazinsendung „De afsprak“ („Die Verabredung“), dass König Philippe eine geeignete Person sei, um sich für die Kolonialisierung, die Ausbeutung und den Gräueltaten an der Bevölkerung der kolonisierten Ländern zu entschuldigen. Auch der Vorsitzende der Sozialdemokraten in Flandern, SP.A, Conner Rousseau, ist der Ansicht, dass sich unser Land für die Kolonialzeit unter Leopold II. entschuldigen müsse. 

60 Jahre Unabhängigkeit von Belgien

Ein passender Moment für eine solche Entschuldigung könnte der 30. Juni sein, denn dann wird der 60. Jahrestag der Unabhängigkeit des Kongos von Belgien begangen. Aber, dann läuft in Belgien die Zeit der Notregierung unter Premierministerin Sophie Wilmès (MR) ab und König Philippe wird womöglich gerade dann in Sachen Regierungsbildung im eigenen Land gebraucht.

„König Leopold war nie im Kongo“

Inzwischen meldet sich Prinz Laurent zu Wort, der Bruder von König Philippe zu Wort. Gegenüber den Blättern der frankophonen Mediengruppe Sudpresse zeigte er Verständnis für seinen Vorfahren, König Leopold II. Dieser habe schließlich viel für unser Land getan, so der Prinz und die Gräueltaten und die Ausbeutung hätten die Leute begangen, die für ihn gearbeitet hätten: „Es ist nicht so, dass er das alles selbst gemacht hat. Er war nie im Kongo. Ich erkenne überhaupt nicht, wie er den Menschen dort Leiden zugefügt haben könnte. Das muss auch mal gesagt werden.“ Aber, auch für Prinz Laurent ist deutlich, dass die Europäer in Afrika im Laufe der Kolonialzeiten Fehler gemacht haben. Er selbst entschuldige sich jedes Mal dafür, wenn einer führenden afrikanischen Persönlichkeit begegne.

Anhaltender Vandalismus

Inzwischen werden Forderungen immer lauter, alles was an König Leopold II. erinnert, abgebaut, verschrottet oder zumindest in Museen verbannt werden soll. Doch Nacht für Nacht werden auch Statuen oder Büsten beschädigt oder auch zerstört. Dies war in der Nacht zum Freitag u.a. in Brüssel und in Oudergem der Fall (Foto unten). Das findet nicht überall Beifall. Politik und Polizei werfen den Aktivisten, die dies unerkannt vornehmen, Selbstjustiz vor. Solche unüberlegten Zerstörungen würden zur Sache und zur laufenden Debatte nichts beitragen, im Gegenteil.