Im Brüsseler Vorort Halle haben Unbekannte die Statue König Leopold II. von ihrem Sockel gestoßen

Vergangene Nacht haben Unbekannte im König Albert I. –Park des Brüsseler Vorortes Halle die Statue von Leopold II. von ihrem Sockel gestoßen und beschädigt. Letzte Woche war die Statue bereits mit roter Farbe übergossen worden. Die Augen waren dann weiß angemalt und der Name Leopold II. durchgestrichen und mit "Mörder" überschrieben worden.

Passanten stellten heute Morgen fest, dass die Statue neben ihrem Sockel zerbrochen auf dem Boden lag. Es ist nicht klar, wer dafür verantwortlich ist. Die Stadtverwaltung hat die Statue mitgenommen.

Die Statuen von Leopold II. in unserem Land standen in den letzten Tagen nach den weltweiten Protesten gegen Rassismus wieder zur Debatte. In vielen Petitionen wird gefordert, die Statuen des belgischen Königs wegen seiner umstrittenen Rolle bei der Kolonisierung des Kongo zu entfernen. Unter seiner Herrschaft sind Millionen Kongolesen ausgebeutet und getötet worden.

Die Beschädigung von Statuen wird mit einer Geldstrafe von bis zu 500 Euro oder einer Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr bestraft.

Petition gegen König Leopold II.

Diesen Monat wird der 60. Jahrestag der Unabhängigkeit der ehemaligen belgischen Kolonie Kongo begangen. Zusammen mit den weltweiten Protesten gegen Rassismus nach dem Tod des schwarzen Amerikaners George Floyd stehen die Statuen von Leopold II. wieder zur Debatte. In nur wenigen Tagen haben bereits mehr als 36.000 Menschen eine Petition unterzeichnet, in der sie fordern, dass alle Statuen Leopolds II. aus Brüssel entfernt werden.

Müssen die Statuen wirklich aus dem Strassenbild verschwinden? 

In der Zwischenzeit sind ähnliche Petitionen in anderen Städten gestartet worden. Und in Ekeren, Gent, Brüssel, Hasselt und Ostende wurden unter anderem Statuen von Leopold mit roter Farbe beworfen. Schon vor Jahren wurde einer Königsstatue in Ostende symbolisch eine Hand abgeschlagen.

Müssen die Statuen wirklich aus dem Strassenbild verschwinden? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Der Bürgermeister von Ostende, Bart Tommelein (Open VLD), hat sicher nicht vor, sie zu entfernen.

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Verbrechen gegen die Menschlichkeit im „Freistaat Kongo“, dem Privatbesitz von König Leopold II.

Die Berliner Konferenz von 1884-1885, auch Westafrika-Konferenz genannt, gab dem damaligen belgischen König Leopold II die Gelegenheit in Afrika eine Kolonie zu gründen. Der belgische König nahm zwar nicht selbst an der Berliner Konferenz teil, doch am 26. Februar 1885 erwarb er offiziell das Eigentum an einem Gebiet, das 77 Mal größer war als Belgien und das er als „Freistaat Kongo“ bezeichnete.

Leopold II. betrachtete das Gebiet als Privateigentum und wollte sich damit bereichern. Dies geschah zunächst durch den Handel mit Elfenbein, doch später wechselte er zu Kautschuk. Er zwang die örtliche Bevölkerung dazu, als Sklaven für die Weißen auf den vielen Plantagen zu arbeiten, und dies unter den grausamsten Umständen. Die Kongolesen wurden Opfer von Krankheit und Entbehrung, aber auch von Entführung, Folter, Vergewaltigung, Abhacken der Hände und Enthauptung.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen die Missbräuche im „Freistaat Kongo“ immer öfters international in die Medien. Die unzähligen Menschenrechtsverletzungen riefen lautstarke Kritik hervor, und der Druck wurde zu groß. 1908 übertrug der 73-jährige Leopold II. seine Privatkolonie an den belgischen Staat.

Rote Farbe

In den letzten Jahren wurde in unserem Land zunehmend die Frage gestellt, ob Statuen und Porträts von Leopold II. hier noch ihren Platz haben. Anfang dieses Jahres beschloss die Brüsseler Vorstadt Vilvoorde zum Beispiel, ein Gemälde von Leopold II. aus dem Rathaus zu entfernen. Die Leopold-II-Allee in Kortrijk erhielt einen anderen Namen. Die Statue von Leopold II. in Ekeren wurde 2018 mit einem Informationsschild über seine Verbrechen im Kongo vervollständigt. Zahlreiche Statuen von Leopold II. sind Ziel von Vandalismus. Im Herbst 2018 wurde zum Beispiel die Statue des belgischen Monarchen im Zuidpark in Gent innerhalb weniger Wochen dreimal mit roter Farbe beschmiert.

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