Interview mit Eddy Merckx zum 75. Geburtstag

Die belgische Radsportlegende Merckx sammelte 525 Siege, gewann fünf Mal die Tour de France, sieben Mal den Giro d‘Italia, fünf Mal Mailand-San Remo und viele andere Radrennen in den 1960er und 1970er Jahren. Den Stundenweltrekord (49,431 Kilometer in 60 Minuten) konnte Merckx 28 Jahre lang halten. Der dreifache Weltmeister wurde am 17. Juni 1945 als Sohn eines Lebensmittelhändlers in Tielt-Winge bei Leuven geboren. Sein unbedingter Siegeswille brachte ihm den Spitznamen „der Kannibale“ ein. 

In Corona-Zeiten wird ein frisch gebackener 75-Jähriger zuerst nach seiner Gesundheit gefragt. Auch weil Merckx, der sich noch zwei bis drei Mal pro Woche aufs Rad schwingt, im Herbst schwer gestürzt war. Was genau passiert sei und warum, daran könne er sich nicht erinnern, antwortete Eddy Merckx auf die Frage von Gastgeberin Phara De Aguirre in der Talkshow „De Afspraak“ am Dienstagabend: „Ich hab angehalten, um nach dem Fahrrad zu schauen. Nicht, weil ich mich unwohl fühlte. Ich habe meinen Fuß vom Pedal genommen und kann mich danach an nichts mehr erinnern. Im Krankenhaus von Dendermonde bin ich aufgewacht.“

Wegen der Corona-Krise sei ein Check-up nach der Genesung verschoben worden.  Aber die Untersuchung werde bald nachgeholt. Dann wisse er mehr.

Richtig Angst vor Corona

Unumwunden gesteht der einst als unschlagbar geltende Radsportler, dass er Angst gehabt habe, sich zu infizieren: „Die Vorschriften habe ich bis auf den letzten Punkt befolgt.“

Lieber gestern oder heute Radsportprofi?

„In Corona-Zeiten möchte ich kein Radsportler sei“, gibt Merckx unumwunden zu: „Ich würde verrückt, wenn ich ein Jahr lang kein Rennen fahren dürfte. Ich hoffe, dass die Frankreichrundfahrt stattfindet. Es sind schwere Zeiten und es wird ein paar Jahre dauern, bevor die Sponsoren wieder fit sind.“

Radrennfahrer im Jahr 1969 oder 2020? Merckx wählt ohne zu zögern die Vergangenheit. „Auch wenn wir kein Corona hätten. Ich bin viel zu gerne gefahren. Wenn ich einen Klassiker nicht bestreiten konnte, war ich todunglücklich. Ich bin auch zu viele Rennen gefahren. In einem Jahr habe ich 195 Rennen bestritten. Das wollten die Sponsoren damals und es war die einzige Weise, um Geld zu verdienen. 

DAS

Stolz auf seine Enkelkinder

Mit seinen Kindern und Enkelkindern habe er nur über Facetime in Kontakt gestanden. „Meine Tochter und ihre Kinder, die in Belgien leben, habe ich die ganze Zeit nicht gesehen. Nur über Facetime“‘, betont Eddy Merckx. Sein Sohn Axel lebt mit der Familie in Kanada. Seine Enkeltochter Aksana (Bild unten) lebt und studiert zurzeit in Arizona. Axana Merckx holte übrigens Gold bei den belgischen Schwimmmeisterschaften. „Sie ist erst 19 und möchte so gut werden, dass sie für Belgien an den Olympischen Spielen  teilnehmen kann. Ich drücke ihr die Daumen.“

Merckx erwähnte auch seine anderen Enkelkinder, die auf hohem Niveau Hockey spielen. Enkelsohn Luca spielt in der argentinischen Nationalmannschaft und schlug die belgischen Hockeymänner im Finale der Olympischen Spiele.