Polizeigewalt? Farbige deutsche EU-Abgeordnete verklagt Brüsseler Polizisten

Die deutsche EU-Abgeordnete Pierette Herzberger-Fofana (Die Grünen - Foto) hat Klage gegen die Brüsseler Polizei eingereicht. Offenbar wurde sie am Brüsseler Nordbahnhof von mehreren Polizisten brutal behandelt. Der Vorzitzende des EU-Parlaments David Sassoli (Foto unten) verlangt eine Erklärung von den Brüsseler Polizeibehörden.

Pierette Herzberger-Fofana (71) hat die deutsche Staatsbürgerschaft und hat Vorfahren in Mali. Sie sitzt für die grüne Fraktion im EU-Parlament. Während der Parlamentssitzung am Mittwoch berichtete Herzberger-Fofana über diesen Vorfall. Dabei erzählte sie, dass die beobachtete, wie die Polizei einige schwarze Jugendliche bei einer Kontrolle ziemlich brutal angegangen hatten. Als die dies mit ihrer Mobilfunkkamera fotografieren wollte, seien die Polizisten auch gegen sie brutal vorgegangen und sie hätten ihr nicht geglaubt, dass sie EU-Abgeordnete sei.

Die Europapolitikerin setzt sich in Deutschland und auf EU-Ebene aktiv gegen Rassismus ein. Sie und die grüne EU-Fraktion gehen davon aus, dass die Brüsseler Polizisten am Nordbahnhof gegen sie nur wegen ihrer Hautfarbe vorgegangen sei.

EU-Parlamentspräsident David Sassoli kündigte noch am Mittwoch vor dem versammelten Plenum seines Hauses an, dass er von der Brüsseler Polizei eine Erklärung verlange. Dafür bekam er von fast allen Anwesenden Applaus, auch von der EU-Kommissionsvorsitzenden Ursula von der Leyen.

Nach einer Meldung der flämischen Tageszeitung De Morgen bestätigte eine Zeugin den Vorgang. Tine Destrooper, Professorin für Menschenrechte an der Genter Universität (UGent) beobachtete den brutalen Umgang mit der EU-Abgeordneten und auch sie fotografierte das Ganze. Das wollten die Polizisten ebenfalls verhindern, doch „sie hatten das Pech, dass ich meine Rechte kenne.“ Destrooper zählte 9 an dem Vorgang beteiligte Polizisten. Sie reichte ebenfalls Klage ein.

Inzwischen sagte Marc De Mesmaeker, der Leiter der belgischen Bundespolizei, dass es innerhalb er Polizei „kein strukturelles Problem mit Rassismus gebe“, doch er erkannte auch, dass es ab und zu auch hier zu „Grenzwertigkeiten“ komme. 

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