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Stille und symbolische Proteste im Pflege- und Eventsektor

Am Donnerstag erinnerte der Eventsektor in Belgien mit einer symbolischen Aktion vor dem Brüsseler Messekomplex am Heizel daran, dass diese Coronakrise wirtschaftlich existentiell ein Problem für die rund 80.000 Beschäftigten ist (Foto oben). Gleichzeitig demonstriert die christliche Gewerkschaft im Pflegesektor online und mit stillen Protesten überall im Land für besser Bezahlung und gegen den akuten Personalmangel

Mitarbeiter und Betreiber von Unternehmen aus dem Eventsektor haben am Donnerstag den Eingang zum Messekomplex am Heizel in Brüssel mit rund 1.000 sogenannten „Flightcases“ barrikadiert. Diese Transportkisten für technisches Material oder Musikinstrumente stehen als Symbol für diesen Sektor, zu dem in Belgien rund 3.200 kleine und große Unternehmen gehören und der für etwa 80.000 Arbeitsplätze sorgt. Jede dieser „Flightcases“ steht dabei für 8.000 Jobs.

Derzeit finden belgienweit quasi keine öffentlichen Veranstaltungen statt: Messen, Meetings, Konzerte, Festivals, private und öffentliche Feiern… Das bedeutet, dass die Corona-Gesundheitskrise diesen Sektor, zu dem auch der audiovisuelle Bereich gehört und der auch viele Soloselbständige beschäftigt, quasi kein Einkommen hat und dies schon seit Mitte März nicht.

Mit ihrer Aktion wollen die Vertreter dieses Sektors Politik und Gesellschaft daran erinnern, dass „sie auch noch da sind“. Von öffentlicher Seite her fühlt sich dieser Bereich alleine gelassen und er verlangt endlich eine Perspektive. Leider läuft es wohl darauf hinaus, dass der Eventsektor der letzte Sektor ist, der nach Corona wieder an die Arbeit gehen kann. Inzwischen aber gehen Existenzen verloren und müssen vor allem kleine Unternehmen Konkurs anmelden.

In der aktuellen Fragestunde im Parlament in Brüssel unterstrich Premierministerin Sophie Wilmès (MR), dass Groß- und Massenveranstaltungen weiter bis zum 31. August in Belgien untersagt werden. Jetzt hofft der Sektor zumindest auf staatliche Unterstützung. Die Arbeitgeberverbände in Belgien fordern von der Politik, dass die wirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen, wie z.B. die Kurzarbeitsregelung, bis Ende des Jahres aufrechterhalten bleiben.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto und dem Video weiter)

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Auch im Pflegebereich, der seit Beginn dieser Krise quasi unaufhörlich „an der Front steht“, wird immer mehr Unmut laut (Video oben). Nicht wenige Beschäftigte in diesem Sektor können allerdings derzeit kaum arbeiten, weil sie z.B. Patienten oder Bedürftige zu Hause besuchen, um sie dort zu pflegen. Andere hingegen, die in den Krankenhäusern oder in Pflege- oder Seniorenheimen arbeiten, arbeiten sprichwörtlich „bis zum Umfallen.“

Dagegen hat die christliche Gewerkschaft ACV Puls einen Aktionstag organisiert, der sowohl im Internet stattfinden, als auch mit symbolischen Aktionen in der Umgebung von Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern.

Jetzt fordert dieser Sektor, dass endlich mehr für ihn herausspringt, „als das Klatschen jeden Abend um 20 Uhr!“ Die Mitarbeiter, die seit März pausenlos aktiv sind, wollen endlich auch eine finanzielle Anerkennung, wie z.B. höhere Löhne und Gehälter und ein 13. Monatsgehalt. Und, die Beschäftigten in diesem Bereich fordern ein Ende des akuten Personalmangels.

Gerade jetzt, in diesen Coronazeiten, habe diese Gesundheitskrise doch jedem gezeigt, wie es um diesen Sektor steht, so die Ansicht der Betroffenen. Bundesgesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) kündigte an, sich spätestens bis zum 21. Juli (zufällig der belgische Nationalfeiertag) mit dem Pflegebereich auf ein entsprechendes Abkommen einigen wolle.