Andreas Kockartz

Immer weniger Mieträder oder Mietsteps in Brüssel unterwegs

Offenbar hat die belgische Hauptstadt Brüssel ihr Interesse an Mietzweirädern, wie Fahrräder, Steps oder Scootern verloren. Nach Berechnungen der Brüsseler Mobilitätsbehörde ist die entsprechende Flotte innerhalb eines Jahres um ein Drittel kleiner geworden, wie die regionalen Medien BX1 und BRUZZ melden. 

Am Beispiel der elektrischen Mietsteps, die kleinen Elektroroller, ist dies deutlich zu erkennen. Im Juli 2019 waren in der Region Brüssel-Hauptstadt insgesamt 4.800 solcher E-Roller gemeldet. Die diese betreibenden Unternehmen setzten auf einen Boom, den es anfänglich auch gab, auf bald 7.000 Stück. Doch das Gegenteil ist der Fall. Anfang Juni 2020 waren es nur noch 2.600 Stück. Und auch die Zahl der Betreiber ist von damals 6 Firmen auf heute 2 Mitbewerber zurückgegangen (dott und Lime).

Bei den zu mietenden E-Bikes zeigt sich ein ähnliches Bild. Im vergangenen Sommer konnte man in Brüssel 1.350 Mieträder ausleihen. Heute vermietet das Unternehmen Billy Bike gerademal 600 solcher Fahrräder. Das hat auch damit zu tun, so die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ, dass Uber Jump den Markt schnell wieder verlassen hat und all seine Räder an Lime abgegeben hat.

Doch Lime konzentriert sich derzeit nur auf die Steps und hat vorläufig keine Pläne, mit Mieträdern aktiv zu werden. Damit hat Billy Bike faktisch keinen Konkurrenten mehr auf diesem immer kleiner werdenden Markt. Einzig der Bereich der zu mietenden elektrischen Motorroller kann in Brüssel einen gewissen Status Quo halten. Derzeit vermieten Scooty, Felyx und Poppy eine Flotte von rund 730 E-Scootern. Das sind 50 mehr als vor knapp einem Jahr.

Laut dem Brüsseler Regionalsender BX1 wirft dieser Markt für die Mitspielern hier nicht genügend Gewinn ab. Hier noch rentabel sein zu können, verhinderte auch die zeitweise hohe Zahl an Mitbewerbern. Viele kleine Anbieter waren rasch wieder vom Brüsseler Markt verschwunden. Ein „Problem“ war wohl auch, dass die Brüsseler Gemeinden dem Wildwuchs von überall zurückgelassenen Mietfahrzeugen einen Riegel vorgeschoben hatten und diese Sektor strenge Regeln auferlegte.

Nicht zuletzt hatte auch die Coronakrise ihren Einfluss, denn inzwischen boomt auch in Brüssel das Fahrrad, bzw. das E-Bike. Viele Pendler verzichten auf das Auto und auf die öffentlichen Verkehrsmittel und steigen auf das Rad um. Und Villo, die kommunalen Brüsseler Stadt-Mieträder, bleiben dem Stadtbild erhalten, auch wenn es weniger sind, weil viele potentielle Nutzer zu Hause im Homeoffice sitzen. 

Andreas Kockartz
Andreas Kockartz

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