Nicolas Maeterlinck

Sind die belgischen Atomkraftwerke ausreichend gegen Flugzeugabstürze gewappnet?

Nach Ansicht der belgischen Grünen Groen und Ecolo sind die hiesigen Atomkraftwerke Doel bei Antwerpen und Tihange bei Lüttich (Foto) nicht sicher genug bei schweren Flugzeugabstürzen. Die Meiler seien höchstens gegen abstürzende Sport- und Kleinflugzeuge abgesichert, so die beiden Abgeordneten Tine Van der Straeten (Groen) und Samuel Cogolati (Ecolo) auf Basis von Antworten auf eine Reihe von parlamentarischen Anfragen zu diesem Thema

Die grünen Parteien Groen in Flandern und Ecolo im frankophonen Sprachgebiet fordern aus diesem Grunde ein generelles Überflugverbot über diese Anlagen. Bisher aber wurde in dieser Richtung nichts unternommen, auch wenn die Bundesagentur für Nuklearkontrolle FANC und das belgische Innenministerium selbst sagen, „dass die Infrastruktur gegen Einschläge von militärischen und kommerziellen Flugzeugen abgesichert sein muss.“

Unterschiedlich sicher

Die beiden Grünen-Abgeordneten haben herausgefunden, dass die Meiler unterschiedlich abgesichert sind. So sollen die ältesten belgischen Atomreaktoren Tihange 1 sowie Doel 1 und 2 nur sicher gegen Abstürze von Kleinflugzeugen sein, während die Meiler Tihange 2 und 3 sowie Doel 3 und 4 einem Absturz eines durchschnittlichen Standard-Passagierflugzeugs standhalten würden.

„Das reicht nicht aus“

Doch nach Ansicht von Van der Straeten und Cogolati reicht das nicht aus. Vor allem Tihange sei gefährdet, denn dieses AKW wird regelmäßig von schweren Cargomaschinen überflogen, die am Lütticher Regional- und Frachtflughafen Bierset starten oder landen. Die beiden Abgeordneten führen hier das Beispiel einer älteren Boeing 747-8 an, die 442 Tonnen schwer sind und die rund 192 Tonnen Kerosin an Bord haben können. Auch über Doel fliegen regelmäßig größeren Maschinen, z.B. von Regionalflughafen Deurne/Antwerpen aus.

Ist kein AKW sicher?

Aus Dokumenten von Tractebel (ein in Brüssel ansässiges Ingenieursbüro, dass sich mit der Infrastruktur im Bereich Energieversorgung beschäftigt) sei ersichtlich, dass z.B. die Lagerstätte für hochradioaktiven Strahlenabfall von Tihange nur gegen ein Gewicht von 204 Tonnen bzw. 75 Tonnen Kerosin ist. Das bedeutet faktisch, dass in Belgien keines der beiden AKW sicher gegen abstürzende Flugzeuge ist. Bundesinnenminister Pieter De Crem (CD&V) gab dazu zu verstehen, dass es an den Betreibern der Kernzentralen sei, hier aktiv zu werden.

Überflugverbot?

Die belgischen Grünen drängen jetzt auf ein allgemeines Überflugverbot über nukleare Anlagen und im Besondern über die beiden Kernkraftwerke im Land. Sie fordern zudem Innenminister De Crem und die FANC die Sicherheitsnormen zu verschärfen. In Abwartung dessen sollte es nach französischem Vorbild ein Überflugverbot geben. Dort müssen Flugzeuge solche Anlagen in  mindestens 1.000 m Höhe und außerhalb eines Umkreises von mindestens 5 km über- bzw. umfliegen.

Jumbo Jet am Lütticher Regionalflughafen in Bierset