Wie lassen sich feiernde Menschenmassen vermeiden?

Nach den Bildern von hunderten feiernden Menschen am Wochenende in Brüssel machen sich die Gesundheitsbehörden große Sorgen um ein neues Aufflackern der Coronaepidemie in Belgien. Jetzt stellt sich die Frage, wie sich solche Menschenansammlungen vermeiden lassen. In Flandern bittet der Gastronomieverband darum, die Sperrstunde weiter nach hinten zu schieben, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig die Lokale bevölkern. Unterdessen zeigen sich die Virologen und die Politiker entsetzt. 

Der Gastronomieverband Horeca Flandern will, dass die derzeit bei 1 Uhr liegende Sperrstunde für Cafés und Restaurants ausgeweitet wird, damit sich die Kundschaft besser über die Zeit hinweg verteilen könne. Dies könnte vielleicht auch dabei helfen, Zustände, wie am vergangenen Wochenende in den Brüsseler Stadtvierteln Elsene und Anderlecht zu vermeiden.

Dort, vor allem am Flagey-Platz in Elsene, hielten sich in der Nacht zum Sonntag zahllose Menschen auch nach der Sperrstunde noch auf, um weite zu feiern. Dabei wurde sowohl gegen die Corona-bedingten Abstandsregeln verstoßen, als auch die Mundmasken-Empfehlung ignoriert.

In einigen Städten klappt das

In Ostende können derartige Zustände vermieden werden, so Bürgermeister Bart Tommelein (Open VLD) gegenüber VRT NWS, weil die Stadt ständig wachsam bleibt: "Wir haben und mit der Gastronomie und mit den Nightshops auf ein Abkommen geeinigt und wir setzen Sicherheitsleute ein, die die Menschen auf der Straße präventiv daran erinnern, sich nicht in großen Gruppen zu versammeln. Doch so etwas muss man ständig im Auge behalten."

Auch in der Universitätsstadt Löwen kam es seit der Öffnung der Gastronomie nach dem Corona-Lockdown bisher noch nicht zu Problemen, wie Bürgermeister Mohammed Ridouani (SP.A) angibt: "Auch nach zwei Wochen läuft noch alles prima. Es ist zwar angenehm viel los, doch es bleibt gesellig und damit sind wir zufrieden und das freut auch die Gastronomen. Ich muss sagen, dass unsere Kombination zwischen ausreichenden präventiven Maßnahmen, einer guten Kommunikation und der Tatsache, dass die Polizei gemeinsam mit der Gastronomie die Sache im Auge behält, ausgezeichnet funktioniert. In Löwen klappt das, doch ich will nicht behaupten, dass das auch anderswo funktioniert. Aber vorläufig machen wir weiter. Ich hoffe, dass das weiter so klappt."

"So gelingt und das nicht!"

Professorin Erika Vlieghe, Leiterin der Abteilung Infektionskrankheiten an der Antwerpener Uniklinik und Leiterin der GEES-Gruppe, die den belgischen Sicherheitsrat, das nationale Krisenzentrum und die Regierung in Sachen Exit-Strategie berät, zeigte sich nach dem Wochenende entsetzt: "Das ist unverständlich und absolut unpassend. Das Virus scheint weit weg zu sein, doch es ist noch da! Wir sehen keine Bilder von Kranken mehr oder von Pflegepersonal im harten Einsatz. (…) Wenn wir so weitermachen, dann klappt das nicht. Es ist schwer, einen Ausgleich zwischen dem Zurückgeben unserer Freiheiten und erleichtert draußen Atem zu holen und dem Wissen, dass das Virus noch da ist." 

Mehr Kontrolle und Appelle an den Bürgersinn

In einigen Städten sollen auch Überwachungskameras die Lage in den Ausgehvierteln im Auge behalten und die Polizei soll verstärkt unterwegs sein. Doch anscheinend ist es immer schwieriger, die Menschen nach knapp drei Monaten Lockdown und Einschränkung in ihren sozialen Kontakten noch im Zaum zu halten. Die Frage ist, wie das nationale Krisenzentrum und die GEES-Gruppe auf diese und ähnliche Entwicklungen reagieren wird, wenn sie sich am kommenden Mittwoch wieder trifft.

Inzwischen appellieren überall im Land Virologen, Mediziner und Politiker auf allen Ebenen an die Bevölkerung und vor allem an die Jungen, sich doch bitte an alle Abstands- und Hygieneregeln zu halten. Sie fordern Respekt für all jene, die bisher an Corona erkrankt sind und für all jene im Medizin- und Pflegebereich, die bisher ihren Kopf hingehalten haben, um die Gesellschaft vor Covid-19 zu schützen und sich mit den schwerkranken Patienten beschäftigten… 

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