(c) dpa-Zentralbild

Diskussion in Belgien: Mundmasken im Geschäft verpflichten?

Einige Virologen sind der Ansicht, dass man das Tragen von Mundschutzmasken in Geschäften in unserem Land verpflichten sollte. Bisher sind Mundmasken in Belgien lediglich im öffentlichen Nahverkehr und beim Frisör verpflichtet, doch andernorts gilt die Prämisse, dass das Tragen solcher Masken zum Schutz gegen Covid-19 nur „dringend empfohlen ist.“ Doch die meisten Menschen verzichten eher darauf.

Bundesgesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) hält nicht viel von einer Maskenpflicht beim Einkaufen in Geschäften, doch sie will die Empfehlung einiger Virologen am Mittwoch dem Nationalen Sicherheitsrat vorlegen, der sich dann wieder mit der Coronakrise und mit entsprechenden Maßnahmen oder Lockerungen befassen wird.

Virologe Steven Van Gucht ist der Ansicht, dass eine solche Verpflichtung eine gute Sache wäre: „Manchmal macht man mir gegenüber Bemerkungen darüber. Nur eine Minderheit der Leute trägt eine Mundmaske im Geschäft. Die dringende Empfehlung wird eher locker interpretiert: ‚es muss nicht, also machen wir es nicht‘. Die Leute, die die Regeln strikt einhalten, sind dadurch frustriert. Wenn wir Mundmasken in Geschäften verpflichten, haben wir diese Diskussion nicht mehr.“

Van Guchts Kollege Marc Van Ranst fordert diese Verpflichtung: „In dieser Exitphase ist in den Geschäften und in den Warenhäusern immer mehr los. Da ist es nicht immer möglich, die anderthalb Meter Abstand einzuhalten. Ich befürworte eine Verpflichtung für Mundmasken in Kaufhäusern und Läden.“

Erika Vlieghe, Virologin und Leiterin der sogenannten „GEES-Gruppe“, die Expertengruppe, die Regierung und Behörden in Sachen Corona-Exitstrategie berät, gehört auch zu denen, die eine solche Verpflichtung sehr empfehlen: „Doch zur Zeit ist die Pflicht, eine Mundschutzmaske auch dort zu tragen, noch kein offizieller Standpunkt. Das muss noch besprochen werden.“ 

Inzwischen fordern auch die Gewerkschaften im Einzelhandel in Belgien, dass eine solche Maskenpflicht eingeführt wird, und sei es „nur“, um die dort im Kundenverkehr beschäftigten Mitarbeiter zu schützen. „Wir bemerken mehr und mehr, dass die Kunden glauben, die Gefahr vor dem Coronavirus ist vorbei und dass man solche Mundschutzmasken nicht mehr braucht“, ist aus Gewerkschaftskreisen zu vernehmen.

Im Einzelhandel wiedersetzen sich die Verbände einer solchen Pflicht für die Kunden und die Beschäftigten ebenfalls nicht. Hier ist man jeder Idee positiv gegenüber eingestellt, die dabei helfen kann, ein neues Aufflackern der Epidemie zu vermeiden und damit auch einen zweiten Lockdown, der der Wirtschaft wieder schweren Schaden zufügt.

Die Geschäftsleute selbst fordern bei einer Maskenpflicht eine entsprechende Kontrolle auch durch die Polizei. Läden und Warenhäuser, in denen verlangt wird, eine Maske zu tragen, berichten von Streitigkeiten mit Kunden. Dies würde im Falle einer solchen Pflicht wohl ein allgemeines Problem werden. Eines aber verlangen alle Betroffenen: Eine deutliche Kommunikation von Seiten der Behörden!