Während der Corona-Krise haben 8 Prozent der über 18-Jährigen an Selbstmord gedacht

Die Corona-Krise hat sich auf den geistigen und sozialen Gesundheitszustand der Belgier ausgewirkt. Einer Umfrage der Bundesgesundheitsbehörde Sciensano zufolge haben 8 Prozent der Befragten in den letzten drei Monaten daran gedacht, sich das Leben zu nehmen. 0,4 Prozent haben tatsächlich einen Selbstmordversuch unternommen. 

Die Behörde beruft sich auf eine Befragung von 34.000 Personen im Zeitraum vom 28. Mai bis 3. Juni 2020. In diesem dritten Teil der landesweiten Befragung wurden insbesondere die indirekten Folgen der Epidemie und der allmählichen Rückkehr in die Normalität unter die Lupe genommen.

Aus der Befragung geht u. a. hervor, dass vier Arbeitnehmer von zehn während des Lockdowns dank Homeoffice weiter beschäftigt waren. Ein Arbeitnehmer von zehn konnte erst nach der Aufhebung der Maßnahmen zurück an den Arbeitsplatz kehren.

22 Prozent der über 18-Jährigen gaben ebenfalls an, dass sich ihre finanzielle Lage während der Gesundheitskrise verschlechtert habe.  Alleinerziehende und Kurzzeitarbeitslose waren häufiger als andere nicht in der Lage, ihre Rechnungen und Gesundheitsausgaben zu bezahlen.

„Die Corona-Krise hatte besonders schwere finanzielle Folgen im Alltag vieler Belgier. 10 Prozent der Befragten hatten Angst vor einem Lebensmittelengpass. Und 5 Prozent gaben an, tatsächlich kein Geld für Lebensmittel gehabt zu haben. 10 Prozent sagten, sie hätte sich keine gesunden Mahlzeiten erlauben können“, erklärt Rana Charafeddine, Forscherin bei Sciensano.

Jeder Dritte fühlt sich im Stich gelassen

In den letzten drei Monaten ist der Anteil der Personen, die sich im Stich gelassen fühlen, unverändert geblieben (33 Prozent). Mit der Aufhebung des Lockdowns ist die Zahl derjenigen, denen es an sozialen Kontakten gefehlt hat, von 62 auf 46,5 Prozent zurückgegangen.

Der Anteil der Befragten, die von Angst (16 Prozent) und Depressionen (15 Prozent) geplagt werden, ist im Vergleich zur ersten Gesundheitsumfrage gesunken. Die Gesundheitskrise ist insbesondere den Alleinstehenden, den Alleinerziehenden und finanziell Benachteiligten auf das Gemüt geschlagen.

8 Prozent der über 18-jährigen Belgier gab in der Umfrage an, ernsthaft an Selbstmord gedacht zu haben. 0,4 Prozent haben tatsächlich einen Selbstmordversuch unternommen.

Corona-Vorschriften werden weniger ernst genommen

Laurent Perpigna Iban / Hans Lucas

Die Maßnahmen der Behörden sind weniger gut bekannt als sie es zu Beginn der Gesundheitskrise waren.

Die dritte Befragung seit dem Ausbruch der Krise und der Verhängung des Lockdowns am 13. März ergibt u. a., dass 18 Prozent (14 Prozent bei der zweiten Befragung) zugeben, die Hygienevorschriften nicht zu respektieren. Die Einhaltung des räumlichen Abstands wird von 26 Prozent (vorher 16 Prozent) der Befragten nicht mehr befolgt.

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