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Hacking: „Alte Geldautomaten mit Software aus den 90er Jahren sind besonders anfällig"

In Borsbeek und Ranst, im Großraum Antwerpen  versuchten Kriminelle, Geldautomaten der Bank Argenta digital zu „sprengen“. Bei einem solchen digitalen Diebstahl brechen Hacker in das Kontrollsystem eines Geldautomaten ein, so dass die Banknoten ausgegeben werden. Wie die flämische Wirtschaftszeitung „De Tijd“ in ihrer Wochenendausgabe berichtet, ist dies das erste Mal, dass Kriminelle diese Technik in unserem Land anwenden.

Ein Diebstahl, bei dem Kriminelle mit Sprengstoff in einen Geldautomaten eindringen, um an die Geldscheine zu gelangen, ist in unserem Land nichts Neues. In den letzten Jahren hat es mehrere solcher Versuche gegeben, insbesondere in den an die Niederlande angrenzenden Regionen. Aber ein digitaler Diebstahl wie jetzt bei der Bank Argenta wäre in Belgien neu.

„Es ist eine neue Art der Bedrohung, die wir hier in Belgien noch nicht kannten", sagt Isabelle Marchand vom Bankenverband Febelfin gegenüber VRT NWS. "Die Banken sind sich dessen bewusst und werden sicherlich geeignete Maßnahmen ergreifen, um die Geldautomaten so sicher wie möglich zu machen.“

2010 demonstrierte ein Hacker auf der großen Konferenz Black Hat in Las Vegas live auf der Bühne, wie man einen Geldautomaten digital knacken kann.
Professor Bart Preneel (KULeuven)

Via Hacking beeinflussen die Kriminellen das Computersystem, das einen Geldautomaten steuert. Sie können dies zum Beispiel tun, indem sie ein Panel entfernen und über einen USB-Eingang arbeiten. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass Hacker aus Entfernung in das Computersystem einbrechen. Das Ergebnis ist in beiden Fällen dasselbe: Der Geldautomat beginnt mit der Ausgabe von Banknoten.

Geldautomaten ausgeschaltet

Ein solcher digitaler Einbruch ereignete sich in den Argenta-Filialen in Borsbeek und in Ranst, beide in der Provinz Antwerpen. Aus Sicherheitsgründen will Argenta nicht mitteilen, ob diese Versuche erfolgreich waren oder ob es den Verbrechern auch wirklich gelungen ist, Geld zu stehlen.

Vorsichtshalber schaltete Argenta 144 Geldautomaten aus. "Dies ist der älteste Typ unserer Geldautomaten", sagt Christine Vermylen von Argenta gegenüber VRT NWS. "Diese Geldautomaten sollten in naher Zukunft ersetzt werden, aber als Vorsichtsmaßnahme haben wir sie jetzt abgeschaltet. Vermylen bestätigt auch, dass Argenta zum ersten Mal mit dieser Form der Kriminalität konfrontiert wird. Gemeinsam mit dem Lieferanten der Automaten untersucht die Bank, wie dies in Zukunft verhindert werden kann.

Nicht neu

Die Technik mag für belgische Banken neu sein, aber Cyber-Sicherheitsspezialisten sind seit etwa zehn Jahren mit ihr vertraut. Das sagte Professor Bart Preneel (KULeuven) heute Morgen im VRT-Frühstücksradio auf Radio 1: "Die Technologie ist schon seit einiger Zeit bekannt. 2010 demonstrierte ein Hacker auf der großen Konferenz Black Hat in Las Vegas live auf der Bühne, wie man einen Geldautomaten digital knacken kann. In den folgenden Jahren haben wir diese digitalen Diebstähle in Asien, den USA und Europa gesehen, aber meines Wissens noch nicht in Belgien".

Preneel bestätigt auch, dass vor allem ältere Geldautomaten anfällig für Hacking sind. „Die ältesten Typen laufen noch mit einfacher Software aus den 1990er Jahren.  Aber die Anpassung dieser Automaten geschieht nicht sehr schnell, weil sie eine Investition erfordert. Und es kann sein, dass diese alten anfälligen Geräte immer noch in Betrieb sind".

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